Warum ein Möbel Höffner in Kiel?


Allgemein, Stadtteile, Themen / 1. Dezember 2018

Eigentlich wollte die Krieger-Gruppe auf dem Prüner Schlag in Kiel ein Möbel-Kraft-Haus bauen. Aber kaum war Ende September die Baugenehmigung erteilt, kam die Nachricht, dass stattdessen ein Möbel-Höffner-Haus geplant ist. Beide Möbelhaus-Ketten gehören zur Krieger-Gruppe. Eigentlich sind die Möbelhäuser auch ziemlich ähnlich, was das Sortiment betrifft. Uns stellte sich also die Frage: Warum Möbel Höffner anstelle von Möbel Kraft? Warum nicht beim ursprünglichen Plan bleiben, zumal Möbel Kraft als regionales Unternehmen mit Stammsitz in Bad Segeberg viele Sympathiepunkte bei der Kieler Kundschaft genießt?

Es gelang mir , mit Edda Metz, der Geschäftsführerin der Krieger-Gruppe, zu telefonieren und ihr diese Frage zu stellen. Edda Metz beschrieb eine Möbelwelt im Umbruch, mit Tendenz zur zunehmenden Konzentration; so ähnlich wie bei Baumärkten, wo nur noch wenige Player sich den Markt teilen. Diese Verdrängung gebe es auch in der Möbelbranche.

Man habe sich für Möbel Höffner entschieden, weil diese Kette bereits bundesweit agiert. Das bedeutet, es lohnt sich, Fernsehwerbung auszustrahlen, was bereits geschieht. “So erreicht man mehr Leute”, so Edda Metz. Hingegen würde für Möbel Kraft Fernsehwerbung keinen Sinn ergeben, weil es diese Marke nur in der nördlichen Hälfte der Republik gibt.

Was ist die Krieger-Gruppe?

Kurt Krieger, Möbel Kraft, Möbel Höffner, wie hängt das alles zusammen? Komplizierte Geschichte und ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Zusammenhänge verstehe. Kurt Krieger, geboren am 2. April 1948, erwarb die Namensrechte des ehemaligen Möbelhauses Höffner und gründete das Unternehmen neu. Das war 1967, als Krieger noch studierte. 2004 beteiligte sich Möbel Höffner zu 75% am Unternehmen Möbel Kraft. Vorausgegangen waren wirtschaftliche Schwierigkeiten des Familienunternehmens Möbel Kraft. Die Gründerfamilie Kraft behielt 25 Prozent. Im März 2018 verstarb Reinhard Kraft, der letzte Mit-Eigentümer mit Namen Kraft.  Wer seine Anteile geerbt hat, ist mir nicht bekannt. Sein Bruder Gerhard Kraft hatte seine Anteile schon früher an Kurt Krieger verkauft.

Die Möbel Höffner GmbH & Co KG hat ein Kernsortiment von ca 100.000 Produkten mit einem Umsatz von 2 Mrd Euro. Die Möbel Kraft AG hat ein ebenso großes Sortiment, über den Umsatz fand ich keine Angaben.

Das letzte Wort in beiden Unternehmen hat der Investor Kurt Krieger. Dennoch haben Möbel Höffner und Möbel Kraft separate Managements. Bei einem sehr ähnlichen Sortiment , zum Teil identischen Artikeln , sind die Preise aber unterschiedlich.

Konzentration in der Wirtschaft

Ich lese gerade ein sehr interessantes und leicht zu lesendes Buch über die zunehmende Marktkonzentration : “Die Macht der Konzerne” von Thilo Bode. Die folgenden Zahlen sind  diesem Buch entnommen. Vier Konzerne teilen sich 85 % des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Fünf Bierbrauereien teilen sich 50 % des globalen Marktes. Vier Hersteller produzieren 60 % der Babynahrung weltweit. Drei Konzerne teilen sich 60 % des Marktes für verkäufliches Saatgut und Agrarchemikalien. Und so weiter. So lässt sich Kriegers Entscheidung für Möbel Höffner in einen generellen Trend zu größeren, überregionalen Unternehmen einordnen.

Und was wird aus Möbel Kraft in Bad Segeberg?

Edda Metz, die Geschäftsführerin der Krieger-Gruppe, sagte, man wolle Möbel Kraft in Bad Segeberg stärken. Mir fehlt jetzt die Fantasie , wie das gelingen soll, wenn gleichzeitig mit Fernsehwerbung Lust auf Möbel Höffner in Kiel gemacht wird. Allerdings hätte ein Möbel Kraft in Kiel ebenfalls Kundschaft von Bad Segeberg abgezogen. So gesehen könnte ein Möbel Höffner auch ein Garant für Möbel Kraft in Bad Segeberg sein, vorausgesetzt dass diese Möbelhäuser von der Kundschaft als unterschiedlich wahrgenommen würden. Was genau die Unterschiede im Sortiment und in der Preispolitik sind, dürfte auch eines der Themen sein, die am 6. Dezember im Bauausschuss zur Sprache kommen. Dann wird sich Kurt Krieger persönlich den Fragen der Baupolitiker stellen. Die Sitzung ist übrigens öffentlich: 17 Uhr im Neuen Rathaus, Raum D604 (Eingang Ecke Stresemannplatz/ Kaistraße).

(Das Foto zeigt das Grundstück auf dem Prüner Schlag, auf dem gebaut werden soll. Hier war  vorher eine Kleingartenanlage.)

Zur Diskussion in der Ratsversammlung: https://kielaktuell.com/2018/11/18/kiel-moebel-hoeffner-statt-moebel-kraft/

2 Replies to “Warum ein Möbel Höffner in Kiel?”

    1. Ich habe den KN-Artikel gefunden: http://www.kn-online.de/Kiel/Moebelhaus-Hoeffner-baut-in-Kiel-erst-ab-2020. DAvon hat die Geschäftsführerin mir nichts gesagt, aber es kann schon auch ein Grund sein. In dem Artikel ist allerdings von Investitionen in Höhe von mehreren 100 Millionen Euro die Rede, die erst getätigt werden sollen. Kurt Krieger als Hauptgesellschafter von beiden Möbelhausketten könnte dieses Geld auch in Möbel Krafts Online-Geschäft investieren. Wenn man sich die Sortimente der Onlinekataloge ansieht, sind die doch recht ähnlich.

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