Querdenker und Antifa, sie können nicht miteinander reden


Allgemein, Themen / 12. Dezember 2020

Heute demonstrierten etwa 400 Querdenker*innen am Ostseekai. In der Gegendemo trafen sich etwa 200 Personen gegenüber dem Schifffahrtsmuseum.

Am Rande der Querdenker-Demo bewegten sich auch Antifas und es kam laut Polizeibericht zu Rangeleien, die ich allerdings selber nicht beobachten konnte. Aber ich überhörte ein Gespräch zwischen zwei Querdenker*innen, die bedauerten , dass sie mit der Antifa nicht ins Gespräch kämen. Der Mann sagte: “Die wollen nur über Faschismus reden, aber das ist nicht mein Thema, da denken wir ja gleich.”

Mein Eindruck: auch wenn stadtbekannte Faschisten auf diesen Demonstrationen gesehen werden, das Gros der Demonstrierenden ist wahrscheinlich nicht besonders rechts. Sie haben ein anderes Thema, nicht Ausländerfeindlichkeit oder übertriebene Sicherheits- und Ordnungsfantasien, wie sie für rechtes Denken typisch sind, sondern die Angst vor einer Gesundheitsdiktatur. Und eine in meiner Sicht völlig falsche Wahrnehmung dieses Virus, das sie für nicht gefährlicher als eine Erkältung halten.

Ich pendelte zwischen beiden Demonstrationen hin und her. Hier einige der Punkte, die angesprochen wurden.

Kein Schulterschluss mit Rechten

Auf der Gegen-Querdenken-Demo, die vom Runden Tisch gegen Faschismus und Rassismus aufgerufen worden war, wurde vor den Verschwörungstheoretikern und ihrer Verquickung mit der Rechten gewarnt. Gleichzeitig wurde auch von dieser Seite die Regierung kritisiert, wenn auch aus anderen Gründen:

  • Milliardenpakete werden geschnürt um große Konzerne zu unterstützen. Beispiel: Neun Milliarden Euro bekam die Lufthansa.
  • Zu wenig Unterstützung für Krankenhauspersonal
  • Profitorientierung im Gesundheitswesen
  • Nur wenige Geflüchtete aus Moria wurden von Deutschland aufgenommen. Es ertrinken immer noch Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer.

Querdenkende im Wahn

Die Menschen auf dieser Demo wirken ganz normal, nett. Etwa halbe, halbe Frauen und Männer, viele junge Leute dabei. Man kann es kaum fassen, dass diese sehr normal und sogar sympathisch wirkenden Menschen die Wirklichkeit völlig verdreht wahrnehmen. Hier einige der Punkte aus ihrer Weltsicht, mit meinen Anmerkungen in Klammern:

In ihrer Selbstdarstellung distanzieren sie sich von Links- und Rechtsextremen gleichermaßen. (Tatsächlich gilt die Bewegung als rechts-offen. Anlässlich einer anderen Demonstration sagte mir eine Person aus dem Orgateam auch ganz offenherzig, sonst bekämen sie keine Mehrheit in der Gesellschaft. )

Sie fordern eine Wiederherstellung der Grundrechte.

Sie fordern Meinungsfreiheit, die sie eingeschränkt sehen, weil ihre Ideen oder Interpretationen von den Mainstream-Medien nicht aufgegriffen werden. (Mein Eindruck dazu: es gab in den Medien jede Menge ernsthafter Auseinandersetzung mit ihren Themen.)

Sie fürchten sich vor einer Impfpflicht.

Sie sehen die Gesellschaft an der Vorstufe einer Gesundheitsdiktatur. (Mein Eindruck: Da könnte was dran sein!)

Sie halten Covid-19 für einen Erkältungsvirus und nichts anderes. Einer der Redner, Herr Dr. Weber, der sich als “Verschwörungserkenner” der ersten Stunde bezeichnet, sagte: “50 Erkältungen pro 100.000 Einwohner führen dazu, dass die Grundrechte ausgesetzt werden.” (Dass man an Erkältungen im Gegensatz zu Covid-19 nicht stirbt oder auch nur ernsthaft erkrankt, beeindruckt ihn anscheinend nicht. )

Sie wollen wieder in Liebe und Frieden leben. (Wer will das nicht.)

Mir fiel auf, dass viele der Demonstrierenden keine Maske trugen. Aus dem Polizeibericht: „Die Leiterin wurde aufgefordert, auf die Tragepflicht hinzuweisen. Andernfalls wäre Versammlung aufgelöst worden. Ein Teil der Demonstranten hielt sich an die Aufforderung, ein anderer Teil verließ daraufhin die Veranstaltung.“

Demonstrationen in Kiel bleiben friedlich

Impressionen von der Corona Kundgebung

5 Replies to “Querdenker und Antifa, sie können nicht miteinander reden”

    1. Nein, es sind sicher nicht alle Nazis. Ein Großteil von denen sind einfach Menschen, die überhaupt kein Problem damit haben, mit Nazis gemeinsame Sache zu machen.

  1. “Sie haben ein anderes Thema, nicht Ausländerfeindlichkeit oder übertriebene Sicherheits- und Ordnungsfantasien, wie sie für rechtes Denken typisch sind[…]”

    Typisch rechtes Denken, nicht wahr? Dem Verfasser sowie “Topz Holiday” und “Ursula” ist anzuerkennen, dass diese fast ähnlich wie die Antifa keineswegs an einer Diskussion interessiert sind. Sie sind nicht “rechts”, sie sind die “Guten”. Es ist eben einfacher zu pauschalisieren, als auf von der eigenen Denkweise auch nur einen Seitenschritt auszuführen (aber, es gibt ja Ausnahmen).

    Man ist heutzutage schon rechts, wenn man nur auf die Einhaltung der Gesetze besteht. Grenzkontrollen und Abschiebung derer, die keine legitime Daseinsberechtigung in unserem Land haben, ist dann ganz schnell “Ausländerfeindlichkeit”.

    Ich stehe persönlich auf beiden Seiten. Was die Teilnehmer der Gegen-Querdenken-Demo bezüglich der Finanzen sagen stimmt einfach (auch wenn ich nicht dafür bin, weiterhin Seenotrettung durchzuführen. Das sind für mich leider gut bezahlte Schlepper, die Menschen vor der Küste Lybiens aufnehmen und nach Europa bringen, auch gegen den Willen der Länder selbst).

    Immer nur eine Perspektive zu haben schafft solche Menschen wie “Topz Holiday” und “Ursula”, denen wohl die Galle schon in der Kehle hochkommt wenn jemand suggeriert, dass bestimmte Personengruppen die Kriminalstatistiken des BKA dominieren (besonders im Bezug auf Vergewaltigung und Mord).

  2. Sorry, wer Rechtsradikale einlädt und mit ihnen marschiert und das wiederholt, der kann nicht behaupten nicht rechts zu sein. Es reicht mir, das jemand damit kein Problem hat. Rechte Haltungen sind viel zu verbreitet. Wie viele Menschen mir schon gesagt habe, sie fänden das gut, wenn jetzt ein paar schwache Menschen sterben, damit die starken überleben. Das ist einfach nur menschenverachtend. Das ist Querdenken und das Denken geht sogar noch darüber hinaus. Das Problem ist eher, das es fast keine Maßnahmen gibt. Ich sehe keine Einschränkung von Grundrechten. Es gibt Regeln und weil es zu wenig gab, haben wir überhaupt das Probelem mit Corona. Wir hätten auch gar keine Tote haben können, wenn wir nicht so träge und arrogant wäre. Und wenn wir nicht statt Asiat:innen zu beschimpfen aus Asien lernen würden, die nämlich viel weniger Probleme haben! Und das sind nicht alles Diktaturen!

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