Peperonis aus dem Hinterhof


Allgemein, Stadtteile, Themen / 16. Juni 2015

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Ga(a)rden(ing) ist ein sozial-pädagogisches Gartenprojekt im Steinmarderweg, Gaarden, das sich an Kinder und Jugendliche aus der Umgebung richtet. Ins Leben gerufen wurde es 2014 von Prof. Dr. Melanie Groß (Fachhochschule Kiel) in Zusammenarbeit mit der AWO und der Stadt Kiel.

Ab 16 Uhr , wenn die Schule aus ist, kommen bis zu 30 Kinder in den Garten. Die meisten sind bulgarische Roma, aber es kommen auch Kinder mit deutschem oder griechischem Familienhintergrund. Überraschend für die Initiatoren war das Interesse der Erwachsenen. Serdar Külahlioglu, Leiter des Projekts; “Sie kommen zum gärtnern, aber auch um sich Formulare erklären zu lassen. “ Bei der Gartenarbeit werden sprachliche Barrieren untereinander durch Zeigen und Vormachen überwunden. Serdar hat nicht nur Gartenkenntnisse sondern auch die türkische Sprache aus dem Elternhaus mitbekommen. Da viele Bulgaren Türkisch können, klappt die Verständigung ganz gut.

Letztes Jahr türmten sich hier noch hüfthoch Matratzen und alte Sophas, denn das Gelände war jahrelang als illegale Sperrmüll-Ablade benutzt worden. Jetzt wachsen hier Tomaten, Salate, Erdbeeren, Mais, Bohnen und vieles mehr. Peperonis sind sehr begehrt und gedeihen hier gut, ebenso wie eine alte schleswig-holsteinische Kartoffelsorte. Das Grundstück muss früher schon mal ein Garten gewesen sein, da es einen Bestand aus alten Obstbäumen gibt, darunter fünf Pflaumenbäume.

Das Projekt ist vom Material her absolut low budget. Alle Pflanzen wurden gespendet oder auf der Fensterbank ausgesät und vorgezogen. Das Material für Wege, Gewächshaus usw. stammt von Baustellen oder vom Sperrmüll sofern es nicht aus dem Boden ausgegraben wird. Gerade freut sich Serdar über ausgebuddelte hellgraue Ofenkacheln. Sehr originell die Bohnenstangen: eine Konstruktion aus einer Stange, zwei Fahrradfelgen und Schnüren. Benötigt werden zur Zeit Kräuter für die gerade errichtete Kräuterspirale.

Es hat lange gedauert bis die Anwohner aufhörten, Müll auf dem Grundstück zu entsorgen. Vandalismus am Wochenende bleibt ein Problem. “Leute treten mutwillig auf die Pflanzen.”

Die Intention des Projekts ist es, den ansässigen Menschen Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen. Mittlerweile ist die Identifikation mit dem Projekt gut. Bei den Kindern wächst das Interesse an den Pflanzen und die Neugier, das selbstgezogene Gemüse auch zu essen. Letztes Jahr waren die Kinder stolz darauf, geerntetes Gemüse in ihre Familien zu bringen.

Die Lebensumstände insbesondere der Roma Familien sind sehr schwierig, weil sie als EU-Bürger nur hier bleiben dürfen, wenn sie Arbeit finden. Um einen Arbeitsvertrag zu bekommen, benötigen sie einen Wohnsitz, aber es ist schwierig eine Wohnung zu mieten, wenn man keinen Arbeitsvertrag vorlegen kann. Aus dieser Zwickmühle kommen sie nur heraus, indem sie teure Einzelzimmer mieten.

Serdar Kühlaglio (36) studiert soziale Arbeit und leitet das Projekt im Rahmen einer Halbtagsstelle, die auf drei Jahre bewilligt ist. Idealerweise trägt sich der Garten danach ohne sozial-pädagogische Betreuung.

Kontakt: serdar.kuelahlioglu@fh-kiel.de
Garten: Steinmarderweg, wochentäglich ab 12 Uhr, bei trockenem Wetter.

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