Konzept für Stadtwald

Kiel: Konzept für den Stadtwald

Über ein Konzept für Kiels Stadtwald wurde lange gerungen. In der letzten Ratsversammlung fiel die Entscheidung zugunsten eines Kieler Konzepts, das den Wald schützen soll, ohne die Kriterien eines Naturwaldes einzuhalten.

Die gefundene Formel soll den Wald schützen und gleichzeitig den Wald als Erholungsraum nutzbar machen. „Nicht Wildheit sondern erlebbarer Wald sollen das Ziel sein“, sagte Max Dregelies (SPD) im Innen- und Umweltausschuss.

Das sind die Eckpfeiler vom zu entwickelnden Schutzkonzept:

  • Entwicklung des Stadtwaldes in eine möglichst naturnahe Form, ohne dabei die Nutzung als Freizeit- und Erholungswald einzuschränken.
  • Nutzungen durch Waldkindergärten sind ausdrücklich zu ermöglichen.
  • Verzicht auf kommerziellen Holzeinschlag. Lediglich Maßnahmen zur Verkehrssicherung und der dem Klimawandel geschuldeten Anpassung (Entnahme standortfremder sind durchzuführen.
  • Erstellung eines stadteigenen Schutzkonzeptes, das sich an der Zielsetzung eines Naturwaldes orientiert. Eine formelle Ausweisung als Naturwald wird dabei aber nicht angestrebt.
  • Entwicklung zu einem möglichst klimaangepassten Wald.
  • Die Umweltverbände sind in den Prozess der Konzeptentwicklung mit einzubeziehen.

Hätte es auch ein Naturwald sein können?

Im als Naturwald deklarierten Wald bleiben abgestorbene Bäume im Wald liegen. Das ist der wichtigste Unterschied zum angestrebten Kieler Waldkonzept, wo aus Gründen der Verkehrssicherung einzelne Bäume auch gefällt und eventuell verwertet werden dürfen. Im Einzelfall können sie aber auch im Wald bleiben und dort verrotten.

In den Debatten ging es wiederholt um die Frage, warum Kiel keinen Naturwald haben könne. Ein Grund ist die Art der gewünschten Nutzung: Auch ein Naturwald darf zwar betreten werden. Allerdings bewegt sich der Mensch in einem Naturwald auf eigene Gefahr in einem Biotop, das nicht speziell für ihn hergerichtet ist. In Kiel setzt sich dagegen der Wunsch nach Waldkindergärten und einer Nutzung als Erholungsraum durch. Das bedeutet, es wird Wege geben und bestimmte Bäume werden aus Gründen der Verkehrssicherheit entnommen werden.

Ein anderer Grund gegen das Konzept Naturwald ist die Zersplitterung des Kieler Stadtwalds. Arne Stenger (Grüne) sagte im Innen-und Umweltausschuss: „Wir waren in langen Diskussionen mit Umweltschutzverbänden und der Verwaltung zum Thema Naturwald.“ Das Ergebnis der Diskussionen in seiner Darstellung: Die Waldstücke in Kiel seien zu klein und zu nah an der Wohnbebauung. Allerdings gibt es auch kleine Naturwälder, darauf wies Björn Thoroe (Linke) in der Ratsversammlung hin. Auch hat sich der NABU Kiel in einer Pressemitteilung von 2020 für einen Kieler Naturwald ausgeprochen.

Bis jetzt war in Kiel noch ein kommerzieller Einschlag erlaubt, wurde aber seit 2014 nicht mehr praktiziert, weil er sich wirtschaftlich nicht lohnte. Dabei spielten vor allem die Kosten der Nachsorge eine Rolle. Die schweren Fahrzeuge richten Schäden an, deren Ausbesserung mehr kostet als das verkaufte Holz wert ist. Die Arbeit mit Rückepferden wäre zwar schonender, aber ebenfalls unwirtschaftlich aufgrund der höheren Kosten bei dieser Technik. Und noch ein wichtiger Punkt, der gegen einen kommerziellen Einschlag spricht: Für die Holzverwertung sind vor allem große, gerade gewachsene und gesunde Bäume gefragt. Gerade diese gesunden Bäume sollen aber in Zukunft in den Waldstücken von Kiel alt werden dürfen.

CDU möchte kommerziellen Holzeinschlag

Die CDU-Fraktion plädierte mit einem Antrag, der sich nicht durchsetzte, für die Verarbeitung von Bäumen zu Möbeln oder anderen langlebigen Produkten, um CO2 zu binden. Das sei besser als das Holz verrotten zu lassen. Der Antrag für ein Schutzkonzept, das sich durchsetzte, würde allerdings auch im Einzelfall die Verarbeitung eines Baums zu Möbeln erlauben. Allerdings dürfen Bäume nur aus Gründen der Verkehrssicherheit entnommen werden.

Arne Stenger (Grüne) räumte ein, dass es manchmal einen Konflikt zwischen den Zielen Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität gäbe. Ein toter Baum ist zwar wichtig für das Ökosystem Wald, weil er Lebensraum für viele Tiere bietet. Am Ende gibt der tote Baum aber tatsächlich das gespeicherte CO2 wieder an die Atmosphäre ab. Langfristig ist der Naturwald also ein Nullsummenspiel in Bezug auf CO2. Allerdings kann eine Buche mehrere hundert Jahre alt werden, und solange sollte sie auf jeden Fall auch aus Klimaschutzgründen wachsen dürfen.

Für den weitreichenden Schutz der Bäume in den Kieler Wäldern spricht neben dem Naturschutz auch ihre Funktion zur Kühlung des Stadtgebiets. Damit sind intakte Wälder ein Beitrag zur zeitweisen Anpassung an die Erderwärmung.

Weg frei für das Kieler Konzept für den Stadtwald

In der Abstimmung sprach sich neben SPD und Grünen auch die Linke für den Antrag aus, obwohl sie das Konzept Naturwald eigentlich bevorzugt hätte. CDU und AfD stimmten dagegen, die FDP enthielt sich. Somit ist die Verwaltung beauftragt, gemäß den Eckpfeilern des Antrags ein Schutzkonzept für den Kieler Stadtwald vorzulegen.

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