Holsteiner Quartier: Parken auf dem Gehweg


Allgemein, Stadtteile, Themen / 19. Oktober 2020

Letzte Woche sprach Herr Stamer vom Kieler Tiefbauamt in der Ortsbeiratssitzung Gaarden über die Parkplatzsituation im Holsteiner Quartier in Gaarden.

Gemeint sind die Straßen im Winkel von Ostring und Theodor-Heuss-Ring. Sie heißen nach Holsteiner Städten: etwa Eutiner , Ascheberger oder Oldenburger Straße. Von den Häuserzeilen am Ostring und am Theodor-Heuss-Ring abgesehen, wohnt man hier ganz schön im Grünen.

Ordungsamt gegen Gehweg-Parker im Holsteiner Quartier

In diesem Quartier parken viele Menschen ihre Autos und Transporter auf den Gehwegen. Das wird zwar seit Jahrzehnten so gemacht, ist aber – darauf wies Herr Stamer wiederholt hin – häufig nicht konform mit der Straßenverkehrsordnung. Durch dieses Parken auf den Gehwegen werden Rettungswege zugeparkt. Außerdem ist die Gehweg-Nutzung eingeschränkt. Seit dem Behindertengleichstellungsgesetz müssen 2,70 Meter Gehweg frei bleiben, sodass zur Not zwei Rollstühle auch noch aneinander vorbei kommen.

Diese Probleme gibt es nicht nur im Holsteiner Quartier. Auch im Stinkviertel, am Südfriedhof und anderswo hat sich das Parken auf den Bürgersteigen eingebürgert, teils ist es legal und teils nicht. Insgesamt stehen täglich etwa 5.000 PKW auf Gehwegen in Kiel.

Viele Autos werden nur selten bewegt

Die Stadt hat die parkenden Autos im Holsteiner Quartier gezählt. Das war zwar nur eine Momentaufnahme, hat aber doch eine wichtige Erkenntnis gebracht.

  • Morgens vor dem Berufsverkehr parkten 530 PKW, davon nur 214 STVO-konform!
  • Mittags parkten nur etwa 200 PKW.

Aus diesen Zahlen lässt sich schließen, dass etwa die Hälfte der PKW nur selten benutzt werden. Da wird vielleicht mal eine Tour zum Supermarkt oder ein Ausflug gemacht. Wenn nur die Autos dort parken würden, mit denen die Besitzer*innen morgens zur Arbeit fahren, gäbe es annähernd genug legale Parkplätze.

Aktuell hat man die Kontrollen wieder etwas eingeschränkt, denn die Stadt sieht durchaus die Problematik, dass die Zahl der Parkplätze nicht der Zahl der Autos entspricht. Allerdings muss nur eine Beschwerde kommen, und das Ordnungsamt würde wieder einschreiten.

Keine Patentlösung in Sicht

Eine Ausweitung des Parkraums wird es nicht geben. In der Ortsbeiratssitzung wurden zwar unterschiedliche Möglichkeiten diskutiert aber auch wieder verworfen. So ist es nicht praktikabel nur einen Gehweg pro Straße zu nutzen und den anderen zum Parken freizugeben. Denn die Hauseingänge müssten freibleiben und es müsste möglich sein, an diesen Stellen über die Straße zu gehen. Schrägparkplätze womöglich auf den Grünflächen werden nicht genehmigt, unter anderem wegen der Kampfmittel, die eventuell geräumt werden müssten. Außerdem bemerkte Bruno Levtzov, der Ortsbeiratsvorsitzende zu recht: “Es ist angenehmer eine Wiese als Autos vor dem Fenster zu haben.” Herr Stamer gab auch zu bedenken, dass Scheinwerfer nicht in die Wohnungen leuchten dürfen.

Die Umwandlung in eine Spielstraße oder shared space ist auch nicht zielführend. Es würde einen Komplettumbau erfordern, da Spielstraßen keine Bordsteine haben dürfen. Mehr Parkraum würde durch diese Maßnahme außerdem gar nicht entstehen.

Eine Möglichkeit für die Autofahrer*innen ist die Anmietung eines Parkplatzes im Umfeld.

Schon angedacht in der Politik ist die Nutzung von Parkplätzen vor Baumärkten und Supermärkten außerhalb der Öffnungszeiten. Für das Holsteiner Quartier würde sich Hornbach anbieten. Allerdings hat Hornbach bis 20 Uhr geöffnet, sodass es doch unpraktikabel ist für Autofahrer*innen, die vielleicht ab 17 Uhr einen Parkplatz suchen.

Alternative Mobilität für das Holsteiner Quartier

Car Sharing bietet sich an für gelegentliche Nutzer*innen. Es würde den Parkdruck verringern, denn ein geteiltes Auto ersetzt zehn eigene. Bis jetzt gab es seitens der Anbieter*innen aber kein Interesse, weil noch keine Aussicht auf Wirtschaftlichkeit in diesem Quartier gegeben ist. Das könnte sich natürlich ändern, wenn das Ordnungsamt rigoros gegen Falschparker vorgehen würde. Das Gleiche gilt für Fahrradabstellanlagen. Die Aktzeptanz des Fahrrads steigt , wenn die tägliche Suche nach einem Autoparkplatz mühsam ist und weite Fußwege zur Folge hat!

Eine Parkraumbewirtschaftung auf den legalen Parkplätzen gepaart mit Kontrollen auf den nicht-legalen würde eventuell diejenigen dem Auto entwöhnen, die nicht unbedingt darauf angewiesen sind.

Unmut und Unverständnis

In der Diskussion wurde speziell das Parken an Einmündungen und auch rücksichtsloses und aggressives Parken ohne Rücksicht auf Schwächere kritisiert, auch von Bewohner*innen des Quartiers. Bei diesem Punkt wurde auch bemerkt, dass das Quartier insgesamt nicht barrierefrei ist. Es stammt aus einer Zeit, als es diesbezüglich wenig Sensibilität gab. So haben viele Häuser kleine Treppen vor dem Haus und auch innen noch zu den Erdgeschosswohnungen. Das darf aber keine Entschuldigung dafür sein, zusätzlich die schmalen Gehwege zuzuparken.

In der Ortsbeiratssitzung wurde auch Unmut über die parkenden Transporter geäußert. Teilweise gehören sie zum Unternehmen Sixt, teilweise sind es aber auch Fahrzeuge der Quartiersbewohner*innen selber, von denen viele ein Handwerk ausüben.

Dieses an sich schöne und grüne Quartier mit etwa 600 Wohnungen (ohne Ostring und Theodor-Heuß-Ring) wurde gebaut zu einer Zeit, als es weniger Autos gab. Der Ortsbeirat forderte die Verwaltung auf, zu prüfen, wie eine vernünftige Parkraumlösung aussehen könnte. Ratsherr Nesimi Temel brach noch eine Lanze für die Alternativen. Ob Sprottenflotte, Car Sharing oder mehr Fahrradbügel: Es würde Menschen, die schon mal daran gedacht haben, ihr Auto loszuwerden, eine alternative Perspektive geben.

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