Gaardener Müllgipfel: vorsichtiger Optimismus


Allgemein / 11. Dezember 2019

Die illegalen Müllansammlungen in Gaarden sind weniger geworden im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Aber mit über 900 Meldungen ist die Zahl immer noch sehr hoch. Müll, Ratten und Drogen, das waren die Themen, über die Anwohner*innen und Fachleute beim Gaardener Müllgipfel in Anwesenheit des Oberbürgermeisters diskutierten. Die Frage war immer: was sind die Gründe und was wären mögliche Lösungen.

Gründe für illegale Müllablagerungen

In keinem anderen Stadtteil von Kiel sieht man soviel unangemeldeten Sperrmüll wie in Gaarden. Woran liegt das? Das Publikum durfte vorgeschlagenen Gründe bewerten und und auch eigene Gründe nennen. Besonders viele Punkte erhielten folgende vermutete Gründe:

  • Bequemlichkeit
  • kulturbedingte Gründe
  • kein Verständnis für das deutsche System.

Gegen diesen Befund spricht allerdings, dass die Situation in Mettenhof wesentlich besser ist, obwohl Mettenhof ebenfalls ein armer Stadtteil mit vielen Migranten ist. Die Verwaltung wies auf einen anderen Grund hin: in keinem Stadtteil gibt es so viele Umzüge wie in Gaarden. Mit elf Umzügen pro Tag erreicht Gaarden hier einen Spitzenwert. Neue ziehen erst mal nach Gaarden, um sich in der Stadt zu orientieren. Beim Umzug nehmen sie dann nicht alle Möbel mit, stellen sie auf die Staße oder die neuen Mieter machen das.

Ratten in Gaarden sind Thema auf dem Müllgipfel

Die Kieler Ratten sind resistent gegen freiverkäufliche Gifte. Es müssen hoch-toxische Gifte eingesetzt werden, die nur von Profis ausgebracht werden dürfen. Und auch das scheint nicht zu wirken. Eine Gaardenerin nahm es mit schwarzem Humor: “Morgens kommen die Ratten auf den Balkon und verlangen ihr Frühstück.” Das Rattenproblem hängt mit der Müllproblematik zusammen, denn Ratten halten sich mit Vorliebe da auf, wo sie an Nahrung herankommen. Das ist immer dort der Fall, wo Abfälle nicht in einer Tonne entsorgt werden. Das Füttern von Tauben und Enten verschärft die Problematik ebenso.

Illegale Müllablagerungen und Ratten sind zusammenhängende Themen

Früher dachte ich, das ist doch nicht so schlimm, wenn Tische und Stühle auf der Straße stehen. Leider werden dann ganz schnell Müllbeutel mit diversem Inhalt dazu gestellt und das stellt dann ein Hygieneproblem dar und zieht Ratten an.

Was ist bis jetzt passiert, um die Lage zu verbessern?

Eigentlich ganz viel. Man könnte es unter den Begriffen Technik , Druck und Aufklärung zusammenfassen. Der ABK schickt “Kümmmerer” in die Höfe, die sich die Mülltonnen ansehen. Wenn Ratten die Tonnen angeknabbert haben, werden sie ausgetauscht. Die Wartezeit auf einen Termin wurde auf zwei Wochen verkürzt. Die Reinigungsfrequenzen wurden erhöht. So wird der Glascontainer im Kirchenweg täglich gereinigt. Ein Hundekotsauger ist im Einsatz. An Schulen, in Kitas , in Flüchtlingsunterkünften wird der richtige Umgang mit Abfall vermittelt. Eine Müllmelde-App (noch in der Testphase) führt zu schnellerem Auffinden von Ablagerungen.

Als ganz besonders effektiv wird der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) sowohl vom Publikum als auch vom ABK eingeschätzt. Der Werkleiter Herr Schmidt von ABK sagte, sein Team hätte erstmals das Gefühl, dass sich etwas verändert. Die 16 Leute vom KOD ermitteln bei illegalen Müllablagerungen. Sie klingeln bei den Nachbarn und finden oft heraus, wer es war. Diese Verdachtsfälle übermitteln sie an die Polizei. Allein im November bekommen 21 Personen Post von der Polizei. Das spricht sich herum.

Die Lösungsansätze

Wieder wurde das Publikum gefragt.Unter den am meisten gewünschten Löungen fiel die Videoüberwachung. Hier hat der Gesetzgeber aber hohe Hürden eingezogen. Ebenfalls beliebt: die Forderung nach höheren Strafen und die Forderung, die Vermieter*innen stärker in die Verantwortung zu ziehen. Die Arbeit des Kommunalen Ordnungsdienstess (KOD) fand viel Zuspruch. Diskutiert wurden aber auch Konsumräume für Fixer und mehr öffentliche Toiletten vor allem für den Sportpark.

Drogenkonsum in Gaarden

Auch wenn die Zahl der Fixer abnimmt, finden Kinder immer noch Spritzen. Schon länger bekannt ist der Sandweg an der Hans-Christian-Andersenschule als Ort für Handel und Konsum von Drogen. Frau Hohn, die Schulleiterin dieser Schule sagt, die erste Aufgabe des Tages sei immer, den Schulhof nach Drogenutensilien abzusuchen.

Ausblick

Etliche Personen auf dem Müllgipfel sahen sichtbare Verbesserungen im Straßenbild von Gaarden, und die Statistik unterstützt diese Wahrnehmung. In der Diskussion wurde aber auch klar: Es gibt noch viel zu tun. Sowohl Problemanalyse als auch Lösungen sind schwierig und komplex.

Tipps gegen Ratten: https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/tiere/rattenbekaempfung_in_kiel.php

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