Kiel: Networking für C20


Allgemein / 26. Februar 2019

C20, das Kieler Institut für transformative Utopie, lud am 21. und 22. Februar zu einem Networking-Event ein. So bekamen Interessierte und potentielle Multiplikator*innen die Gelegenheit, die Idee des C20 kennen zu lernen. Einige stellten sich mit kurzen Vorträgen vor. Besonders interessant fand ich die Impulse von Free Riga und Christiania. Dazu gleich mehr. Zunächst die Frage, was will C20? In einem großen Raum, der C20 hieß , als die Alte Mu noch Kunsthochschule war, stehen sechzehn Schreibtische zur Verfügung. Dafür werden Leute gesucht, die ein Zukunftsprojekt planen oder wissenschaftlich über ein Alte-Mu-relevantes Thema forschen wollen. Es soll sich also eine weite Bandbreite von Personen angesprochen fühlen, vom VWL-Doktoranden bis zur Schreinerin. Thematisch geht es immer um Nachhaltigkeit. Wie können wir umweltverträglich leben, wohnen, arbeiten, wirtschaften? Ein Gehalt ist mit dem “Arbeitsplatz” nicht verbunden, aber ein Schreibtischplatz in der Alten Mu und die Möglichkeit der Vernetzung mit den Aktiven der Alten Mu, vor allem aber mit dem Planungsbüro für urbane Transformation. Das C20 ist gewissermaßen die Weiterentwicklung des Planungsbüros.

Free Riga

Unter den internationalen Gästen der Veranstaltung waren zwei Aktivisten aus Riga in Lettland. Ihre Organisation Free Riga organisiert Zwischennutzungen für leerstehende Gebäude. Davon gibt es sehr viele in ihrer Stadt, denn Riga hat einen starken Bevölkerungsschwund hinter sich. Aufgrund der Abwanderung steht im historischen Zentrum der Stadt jedes fünfte Gebäude leer, insgesamt sind es 1.000. Darunter befinden sich auch 200-Jahre alte Holzhäuser. Die NGO Free Riga verhandelt nun oft erfolgreich mit den Immobilienbesitzer*innen über eine befristete Nutzung der Gebäude. Oft überlassen die Besitzer*innen die Immobilien mietfrei oder beteiligen sich sogar an den Nebenkosten. Sie sind froh, wenn überhaupt gelüftet und geheizt wird. Free Riga lädt dann die Nachbarschaft ein, soziale oder kulturelle Projekte in diesen Gebäuden auf die Beine zu stellen. So entstehen kleine Kultur- oder Kommunikationszentren in der Stadt. Im Grunde ist das auch die Geschichte der Alten Mu, die sich mit Erlaubnis der Muthesius Kunsthochschule in den früheren Ateliers niederließ.

Botschafter*innen aus der Freistadt Christiania

Seit 1971 existiert das alternative Wohnviertel Christiania in Kopenhagen. Zur Zeit wohnen dort etwa 600 Personen. Di Ponti (Konfliktmanagerin) und Sören Blicher (Architekt) berichteten über den Umbruch ihres Viertels. Ursprünglich wohnten dort Hausbesetzer, es gab kein Eigentum, alles wurde kollektiv besessen und entschieden. 2011 wollte die dänische Regierung das Viertel räumen. Aber in Verhandlungen konnte erreicht werden, dass Christiania eine Stiftung bildet, die die Gebäude kauft, was nun auch geschehen ist. Sören Blicher erzählte, dass diese Professionalisierung auch ihre Schattenseite hat. Denn in seinen Augen hat der Vorstand jetzt zu viel Macht und Einfluss im Stadtviertel. “Jedes Jahr den Vorstand austauschen”, war sein basisdemokratisch motivierter Appell.

Mittlerweile ist Christiania eine der wichtigsten Touristen-Attraktionen in Kopenhagen. “Die Touristen drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben! Wir bauen jetzt Zäune” berichtete Sören Blicher. Wer Christiania besuchen möchte, sollte unbedingt Respekt vor der Privatsphäre der Bewohner zeigen. Grundsätzlich sind Touristen aber schon willkommen: Hippie-Stadt in Kopenhagen .

Ausklang mit einem Kreativfrühstück

Wie könnten Finanzierungen für eine Mitarbeit im C20 aussehen? Das war eines der Themen am nächsten Tag beim gemeinsamen Frühstück. Schon am Vortag hatte Helga Kühnhenrich vom BBSR (Bundesinstitut für Bau-,Stadt- und Raumforschung) verschiedene Programme vorgestellt, die Forschung im Bereich innovatives Bauen finanzieren. Hier könnte sich die Alte Mu bzw zukünftige C20 Mitarbeiter*innen mit ihren Projekten bewerben.

Zum Abschluss ein Zitat vom Englisch-sprachigen Flyer: „On the threshold between learning and professional activity, in between network and laboratory, the Institute C20 offers a location for you to develop your visions – to think , research and learn from the future. „

Kontakt zu C20:

Planungsbüro für urbane Transformation, Lorentzendamm 6-8

Info@C-20.de

C-20.de

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