Rüdiger Ahlers

Gestepptes aus der Kwilt Factory

Das englische Verb to quilt bedeutet eigentlich steppen oder absteppen. Und das ist genau, was Rüdiger Ahlers (64) in seiner Werkstatt macht. Aber wegen der Assoziation „Quilt gleich Patchwork-Decke“ , die er vermeiden wollte, wandelte der ehemalige Werbeprofi das Wort zu Kwilt ab, eine Wortschöpfung, die auch neugierig macht.

Ich durfte seine Kwilt Factory in der Festung Friedrichsort besuchen. Auf einer riesigen Nähmaschine hatte er Stoffe eingespannt, damit ich sehe was steppen bedeutet. Er legt mehrere Stoffe übereinander, mindestens einen Oberstoff, ein Vlies und einen Unterstoff. Wenn der Oberstoff sehr grobmaschig ist, etwa ein Kaffeesack, kommt ein zweiter Oberstoff darunter, damit das Vlies nicht durchschimmert. Danach kann er an den Konturen eines Musters entlang steppen, sodass es hervorgehoben wird. Er zeigt es mir anhand eines Kissens, auf dem ein Elefant durch das Absteppen dreidimensional wirkt.

Seine Kundschaft ist hauptsächlich gewerblich. Innenausstatter beauftragen ihn für spezielle Anwendungen und stellen dann meistens auch die edlen Stoffe dafür. Ob Tagesdecken für noble Hotels oder Sitzkissen für Yachten, sein Können hat sich herum gesprochen.

Gelernt hat er das Handwerk in Irland, wo er mit einer früheren Partnerin ein Geschäft betrieb. Zu der Zeit boomte das Hotel-Business in Irland, und Tagesdecken waren ein großes Thema. Als er nach Deutschland zurück siedelte, stellte er fest, dass Tagesdecken hier gar nicht so gebräuchlich sind. Zum Glück kam ihm die Idee mit den Kaffeesäcken. Er verarbeitet sie zu Kissen aller Art, gerne auch mit Hocker, die ein Schreiner aus der Festung herstellt.

Die Beschaffung von Stoffen ist ein großes Thema. Er ist ein Fan von Andrew Martin, einem Londoner Stoffdesigner. Und dann die Kaffeesäcke: er zieht einen Stapel vom Regal, um mir die ganz unterschiedlichen Aufdrucke zu zeigen. Trotz der Allgegenwart von Plastik werden Kaffeebohnen immer noch ganz traditionell in Jutesäcken gehandelt. Rüdiger Ahlers hat Kontakte zu Röstereien, um an diese Säcke heran zu kommen. Networking ist wichtig.

Stationen seines Lebens: Nach Irland ließ er sich in der Lornsenstraße nieder, es folgte Gut Ulhenhorst in Dänischenhagen, dann wieder Kiel in der Dahlmannstraße. Nun ist er in der Festung Friedrichsort, wo sich eine Reihe von Werkstätten befinden. Am bekanntesten wohl “Czernys Küstenbrauerei” . Andere Räume werden von Musikern und Musikerinnen zum Proben genutzt. Die Community führt zur wechselseitigen Inspiration: Rüdiger will nach dreißig Jahren wieder mit Schlagzeug anfangen!

Zur Zeit ist er allerdings etwas unter Druck, weil ein Handwerksmarkt auf dem Hof naht. Privatkunden spielen für ihn doch auch eine wichtige Rolle und er findet sie vor allem über Ausstellungen. Auch auf seiner Homepage findest du eine Auswahl seiner Produkte: Kissen, Poufs, Tagesdecken. Stoffe sind seine Leidenschaft und er verarbeitet auch kleine Stoffreste, etwa aus Musterbüchern zu Taschen und Beuteln.

Serienprodukte können im Ausland günstiger hergestellt werden. Aber für originelle Einzelstücke in solider Handarbeit ist Rüdiger Ahlers Kwilt Factory eine gute Adresse.

Mehr Info: Kwilt Factory Homepage

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Ein Gedanke zu „Gestepptes aus der Kwilt Factory“

  1. Wunderbare Handwerkskunst, die Herr Ahlers perfekt beherrscht und immer mit kreativen, eigenen Ideen bereichert. Ich bin schon seeehr gespannt auf den diesjägrigen Handwerksmarkt auf der Festung

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