Inside Höffner: gute und schlechte Monate für die Provision


Allgemein / 20. Mai 2021

In diesem zweiten Teil des Berichts über das Arbeiten bei Höffner geht es um den Jahresverlauf und wie sich die Jahreszeit auf die Provision auswirkt. Um die Anonymität der berichtenden Mitarbeiter*in zu schützen, sind einige Angaben, z.B. Höhe des Grundgehalts, etwas vage formuliert. Hier der Bericht:

Wenn wir mit unseren Provisionen nicht über das Mindestgarantiegehalt kommen (das als Stundenlohn nur ein paar Cent über dem Mindestlohn liegt) dann erhalten wir nur dieses Mindestgarantiegehalt. Wir haben erst mehr Gehalt, wenn wir über das Mindestgarantiegehalt drüber kommen.

Höffner: Provisionsspeicher

Wir fangen praktisch jeden Monat wieder von vorne an und versuchen da drüber zukommen. In guten Monaten gelingt das auch ganz gut, aber in den schlechten, wie im Sommer schafft man das nicht immer. Im Winter kann man sich einen Provisionsspeicher anlegen, der automatisch entsteht wenn die Kunden keine Anzahlung leisten und wir die Provision erst in acht, zehn oder zwölf Wochen bekommen, wenn die Ware beim Kunden ist. Sobald aber dann der erste schlechte Sommermonat kommt schmilzt der Speicher weg, wenn wir mit der Provision unter dem Mindestgarantiegehalt liegen. Wenn man 100 Euro drunterliegt, geht von der angesammelten Provision dann 100 Euro weg.

Solange man noch einen Betrag im Speicher hat, ist es auch ein Ansporn mehr Umsatz machen zu wollen, aber wenn der Speicher dann weg ist und es sind im Sommer wenig Kunden da, ist das deprimierend, weil man weiß, wie lange man braucht um wieder über das Mindestgarantiegehalt zu kommen. Viele Kollegen sind im Sommer übelst gelaunt und haben oft keine große Lust etwas zu verkaufen, weil es länger dauert bis man das Garantiegehalt erreicht. Wenn man am Monatsende weiß, dass man es sowieso nicht schafft geben sich viele gar keine Mühe mehr, vor allem nicht wenn sie sehen, dass der Kunde sowieso nur an Werbeware Interesse hat, wo man sehr wenig verdient. Dann lieber nichts mehr verkaufen und lieber das Unternehmen die paar Euro zum Garantiegehalt zahlen lassen ist dann oft die Devise. Die oberste Geschäftsleitung macht es uns doch ständig vor, nur in Zahlen zu denken. In Besprechungen geht es auch vorrangig um die Umsatzzahlen, die natürlich die vom Vorjahr nicht unterschreiten sondern immer toppen sollen.

Umsatzschwache Monate

Nicht nur die Sommermonate sind umsatzschwächer. Kurz vor Weihnachten werden mehr kleinere Möbel gekauft, weil die Leute da eher keine Zeit haben, sich mit Küchenplanung und neuen Wohnzimmermöbeln zu beschäftigen. Im Dezember dreht sich alles um Geschenke für Weihnachten. Die Fachsortimentabteilung im Erdgeschoss ist dann im Stress, in den anderen Abteilungen geht es gemächlicher zu. Aber wir müssen ja trotzdem auf Kundenfang gehen um über die Runden und über unser Garantiegehalt zu kommen. Im Dezember nehmen viele Kollegen auch Urlaub, was den Kollegen auf der Fläche dann wenigstens noch etwas mehr Umsatz bringt. Zwischen Weihnachten und Silvester ist dann wieder mehr Umsatz möglich, da viele dann ihr Weihnachtsgeld in neue Möbel investieren möchten.

Rabattaktionen

Der umsatzstärkste Monat (vor Corona) war immer der Oktober. Hier gab es verstärkt Rabattaktionen und Extra-Aktionen, die die Kunden ins Möbelhaus locken sollen – auch an Sonntagen. Waffel- und Glühweinduft liegt in der Luft und der schöne Weihnachtsmarkt ist schon seit September geöffnet. Kinder ist das schön! Der Oktober ist der Monat in dem man richtig gut Geld verdienen kann und der einzige Monat, in dem alle mal so richtig glücklich sind. Also ein Monat von zwölf, der alles rausreißen muss.

Da geht es dann zack, zack, ein Kunde nach dem anderen. Da kann man keine unschlüssigen Kunden gebrauchen. Entweder jetzt oder nie! Zögerliche Kandidaten muss man schnell abfertigen. „Für eine Planung ist jetzt leider keine Zeit, sorry, da müssen Sie einen Termin aus-machen und nochmal kommen. Heute wollen wir nur das schnelle Geld machen! Viele Kunden sind da logischerweise verärgert, weil sie doch extra wegen der guten Aktion gekommen sind, aber nun der Berater keine Zeit hat für eine ausführliche Beratung. Wir können an solchen Tagen auch fast keine Pause machen, sondern nur mal schnell was Trinken und Pipi machen.

Solche Aktionen zu planen, ist ja nun nicht mehr sinnvoll, aber davon wird sich die Geschäftsleitung wohl nicht abhalten lassen und weitere Lock-Events nach dem Lockdown planen. „Große Wiedereröffnung nach dem langen Shutdown mit Extra-Corona-Schnäppchen! Bitte alle zahlreich erscheinen und Schlange stehen für einen 5-Euro-Gutschein.“ oder: Alu-Glücksdosen, in denen ein größerer oder ganz ganz viele kleine Gewinne stecken werden, nur für Sekunden geöffnet um danach gleich wieder entsorgt zu werden. Oder: Wie wäre es mit Tischfeuerwerk made in China. Viele bunte Plastikteilchen liegen noch wochenlang vor der Filiale .

(Das Foto zeigt die Container auf der Höffnerbaustelle in Kiel. Hier leben die überwiegend aus Rumänien stammenden Arbeiter.)

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Inside Höffner, Teil 1

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