Kiel: Gutachten bescheinigt gravierende Verstöße auf der Höffner-Ausgleichsfläche


Allgemein / 29. April 2021

Jetzt ist es amtlich: Das auf Verlangen der LH Kiel von Möbel Höffner (Krieger Gruppe) bestellte Gutachten stellt erhebliche Zerstörungen auf der Ausgleichsfläche neben der Höffner-Baustelle fest. Das beauftragte Umweltbüro IPP bilanziert: Ohne Auftrag gefällt wurden 33 Obstbäume, 10 Laubbäume und neun Nadelbäume. Vernichtet wurden außerdem 900 Meter Laubhecken. Dazu kommen Fahrspuren auf fast 8.000 Quadratmetern. Geschätzt fehlen außerdem Stauden, kleine Sträucher , die sogenannte Mosaikstruktur, auf 5 Prozent der Fläche.

Fazit des Gutachters: “Die Strukturvielfalt, die gerade erhalten bzw. durch Ausgleichsmaßnahmen (Baumpflanzungen etc.) ergänzt und optimiert werden sollte, fehlt mittlerweile in großen Teilen.”

Entlastung für die Krieger-Gruppe gibt es dagegen bei dem Verdacht, geschützte Tiere getötet zu haben. Zumindest kann das nicht nachgewiesen werden, denn die letzte naturkundliche Bestandserfassung geschah 2013. Damals gab es europarechtlich geschützte Vogel- und Fledermausarten. Da aber seitdem keine flächendeckende Bestandserfassung erfolgte, lässt sich jetzt auch schwer nachweisen, dass Tiere getötet wurden. Dass sich noch Kammmolche in den Gewässern befanden, hält das Gutachten für ganz unwahrscheinlich. Auf die vielen anderen Tiere, wie Igel und Kaninchen, die bei der Rodung totgefahren wurden, geht das Gutachen nicht ein.

Wiederherstellung der Vegetation durch Höffner gefordert

Das Gutachten schlägt umfangreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vegetation vor, unter anderem als Ausgleich zusätzliche angrenzende Fläche: “Auch die Kompensation der Mosaikstrukturen, der Fahrspuren, der Flächen der Haufwerke in einer Größenordnung von zusammen 10.700 m² soll durch neu verfügbare, zusätzliche Maßnahmenflächen südlich von A 2 und nördlich von A 3 kompensiert werden, sofern diese vom Vorhabenträger/Eigentümer zur Verfügung gestellt werden.”

Für die Fledermäuse sollen zeitnah Spaltkästen und Höhlenquartiere angelegt werden.

Es war schon bekannt, aber das Gutachten beschreibt noch einmal den ursprünglichen Auftrag der LH Kiel an das Gartenbauunternehmen. “Auftragsgemäß sollte die Fa. Köhler die Schnitthecken pflegen und zurückschneiden sowie Brombeer-Gebüsche ebenfalls zurückschneiden. Hintergrund war auch die Herstellung der Zugänglichkeit der Flächen, die nach Aufgabe der Kleingarten-Nutzung und der Laubenabrisse in der Zwischenzeit schon stark zugewachsen waren, ….” Auch wenn die Arbeiten auftragsgemäß ohne weitere Zerstörungen durchgeführt worden wären, stellen auch sie einen starken Eingriff in das Biotop dar. Kein Vogel brütet in einer akkurat auf 1,20 gekürzten Hecke. Die Zerstörung ging allerdings dann weit darüber hinaus, wie das Gutachten bilanziert.

Auftraggeber des Gutachtens war die KGG GmbH & Co KG, eines der Unternehmen der Krieger Gruppe, die hinter Möbel Höffner steht.

(Das Foto zeigt die Ausgleichsfläche Ende Januar 2021.)

Weiterlesen?

Das Gutachten:

https://www.kiel.de/de/kiel_zukunft/kiel_plant_baut/_dokumente_moebel_kraft/_umweltschaeden/gm_0389-2021_hoeffner_nachbilanzierung_mit_karten.pdf

Höffner-Baustelle: Der Protest geht weiter

Die NABU Strafanzeige von Ende Januar greift auch die Frage auf, warum überhaupt die Brombeeren entfernt werden sollten.

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