Auf dem Weg zur Kieler Stadtbahn


Allgemein, Themen / 20. April 2021

In fraktionsübergreifender Einigkeit hatte sich die Ratsversammlung 2018 für eine Stadtbahn ausgesprochen. Um zu erfahren, wie die Planung so läuft, sprach ich mit Florian Weigel. Als verkehrspolitischer Sprecher der CDU sitzt er in der Lenkungsgruppe, die die Planung koordiniert.

“In zehn Jahren könnte die erste Stadtbahn rollen, wenn alles glatt geht”, so Florian Weigel. Davor sind noch wichtige Entscheidungen zu treffen. Auf welchen Trassen soll die Stadtbahn rollen, und welcher Typ von Vehikel soll eingesetzt werden? Neben der schienengebundenen Straßenbahn ist auch ein Langbus mit eigener Trasse denkbar. Letztlich könnte es auch ein Mix aus beiden Systemen werden.

Die Lenkungsgruppe bestimmt das Verfahren

Diese Gruppe trifft sich regelmäßig, zuletzt vor einem Monat. Das sind große Treffen, an denen Vertreter*innen der Fraktionen, der Verwaltung, des Tiefbauamts und des Ingenieursbüro Ramboll teilnehmen. Das Ingenieursbüro Ramboll ist mit der Trassenstudie beauftragt. Man hat sich auf ein bestimmtes Verfahren und einen Zeitplan geeinigt.

Das Vorgehen: Vorgegeben waren 130 Kilometer Trasse. Nach dem Ausschlussverfahren werden die in Frage kommenden Straßenabschnitte immer weiter reduziert bis man beim harten Kern der möglichen Trassen angelangt ist. Ende 2022 soll es soweit sein. Parallel dazu werden auch einige Straßenabschnitte exemplarisch im Detail geplant. Denn eine Straßenbahnhaltestelle hat andere Anforderungen als eine Bushaltestelle, sodass auch die Fuß- und Fahrradwege und der Autoverkehr mitgedacht werden müssen. Wo würden die Schienen verlaufen? wo passt der Fahrradweg? Das sind Fragen die für einen jeweils mehrere 100 Meter langen Abschnitt im Detail beantwortet werden.

Bisher sind Knooper Weg, Holtenauer Straße und Feldstraße als Haupttrassen alle drei noch im Spiel.

Die Stadtbahn fährt nicht in den Kieler Süden

Im Kieler Süden entsteht bekanntlich ein neues Quartier mit etwa 1.600 Wohneinheiten. Hier werden voraussichtlich viele junge Familien wohnen, deren Kinder auf weiterführende Schulen in die Innenstadt fahren müssen. Umso erstaunlicher, dass die Kieler Stadtbahn nicht in den Süden führen wird. Florian Weigel sagt, die CDU bedauert dies. Aber die Verwaltung sieht es anders. Man hätte den Kieler Süden ohne die Stadtbahn geplant und es wäre jetzt zu mühsam, diese Planung wieder aufzudröseln, so in etwa fasste Florian Weigel die Argumentation der Verwaltung zusammen.

Etwas mehr Hoffnung gibt es für Holtenau. Immerhin wird geprüft, ob die Holtenauer Brücke für eine Stadtbahn kompatibel ist. Wenn das der Fall ist, könnte die Stadtbahn einst auch das neue Quartier auf dem MFG-5- Gelände in Holtenau bedienen. Hier sollen 1,800 Wohneinheiten entstehen.

Warum ist die Stadtbahn gewünscht?

Um die Klimaziele, die sich Kiel mit dem Masterplan 100 Prozent Klimaschutz gesetzt hat, müssten 40 Prozent weniger Autos durch die Stadt rollen. Das würde das bestehende Bussystem überfordern. Auf der Hauptstrecke über die Holtenauer Straße werden die Haltestellen schon heute in einem so engen Takt angefahren, dass eine Intensivierung nicht mehr machbar erscheint. Durch die neuen Stadtquartiere im Süden und Norden wird sich das Verkehrsaufkommen vermutlich noch erhöhen. Es scheint also dringend geboten, diese Stadtbahn zu realisieren.

(Das Foto zeigt eine ehemalige Straßenbahnwartehalle in Kiel Wik. )

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