Schule mit Maske: Impressionen vom Schulalltag unter Corona-Bedingungen


Kultur, Themen / 16. November 2020

Wie erleben Kinder den Schulalltag mir Maske, Lüften und häufigem Hände Waschen? Meine Gesprächspartner*innen: zwei Grundschullehrer*innen und drei Kinder. (Ihre Namen habe ich geändert). Das Ergebnis: Die Corona-Auflagen werden sehr unterschiedlich erlebt. Begeistert ist niemand.

Die Maske im Unterricht

In Kiel wie auch in vielen anderen Kommunen müssen die Grundschüler*innen auch im Unterricht Maske tragen.

Herr Evers meint, die meisten Kinder würden die Maske stoisch ertragen. Aber einige jammern auch, dass sie keine Luft bekommen und fragen, wann Corona endlich vorbei ist.

Herr Evers unterrichtet Sport, und ist froh, dass er wenigstens in der Turnhalle die Maske abnehmen kann, um laut genug sprechen zu können.

Leah (5. Klasse) findet die Maske schrecklich. Sie erstickt fast. Aber wenn gelüftet wird, ist die Maske doch ganz gut, weil sie wärmt.

Frau Behrends meint, manche Kinder erleben die Maske auch als gemütlich, kuschelig, ein wenig wie ein Schmusetuch. Insgesamt hat sie den Eindruck, dass die Kinder eher wenig Probleme mit den Masken haben.

Sebastian (4. Klasse) findet die Maske doof. “Weil mir schlecht wird, wenn ich sie lange auf habe.”

Fiona (2. Klasse) darf ihre Maske abnehmen, wenn sie am Platz sitzt. Aber wenn sie sich im Raum bewegt, muss sie die Maske aufsetzen. Sie findet die Maske nicht schlimm, aber auch nicht toll.

Frau Behrends ärgert sich über die total verpeekten Masken, die die Kinder tragen. Sie freut sich über die Masken, die ihre Schule von der Stadt Kiel geschenkt bekommen hat.

Fiona (2. Klasse) erzählt mir, dass ihre Familie die Stoffmasken jeden Tag wäscht und hinterher trocken föhnt.

Weil sie ein hörbehindertes Kind in der Klasse hat, trägt Frau Behrends ein Faceshield. So kann das Kind ihre Lippen ablesen. Allerdings ist es schwierig und unangenehm, mit Faceshield laut zu sprechen. Der Schall prallt dann spürbar von der Plastikscheibe zurück.

Desinfizieren und Hände Waschen

Leah berichtet, dass die Kinder in ihrer Schule ihre Hände desinfizieren, wenn sie den Raum betreten. Das dauert lange. Die Kinder dürfen auch eigene Desinfektionsmittel mitbringen, das machen viele, auch Leah.

Auch Frau Behrends betont den Zeitverlust durch das Hände Waschen. Bis ihre Schulkinder unter Wahrung des Abstands am Waschbecken vorbei gezogen sind, das dauert.

Fiona wäscht sich die Hände nur vor dem Frühstück und nach der Toilette.

Nach Maske ist Lüften das große Thema

Fiona findet das Lüften lustig. Dann rennen die Kinder in den Flur, um ihre Jacken und Decken zu holen. Ich frage, was das mit der Decke auf sich hat. Fiona klärt mich auf, dass sie im Sport oft Traumreisen machen. Dazu legen sich die Kinder auf den Boden und decken sich zu. Diese Decken dürfen sie jetzt auch verwenden, wenn gelüftet wird.

Die Klasse von Herr Evers hat die Jacken immer im Raum auf den Stuhlrücken und die Kinder dürfen sie anziehen, wenn alle 20 Minuten gelüftet wird.

In Leahs Schule wird immer fünf oder zehn Minuten gelüftet, wenn es klingelt. Dann ziehen sich die Kinder Jacken und manche sogar Handschuhe an.

Frau Behrends sagt, beim Lüften weht das Papier von den Tischen. Außerdem hat sie das Gefühl, dass die Putzfrauen nicht mehr so gründlich sauber machen, seitdem die Kinder ihre Jacken und Schultertücher auf den Stuhllehnen hängen lassen dürfen.

Angst vor Corona?

Fiona sagt , sie hat keine Angst, aber ein paar Kinder schon.

Leah, die schon aufs Gymnasium geht, ist eloquent. “Ich habe keine Angst, weil man weiß ja, dass Kinder nicht so stark erkranken. Wir reden nicht viel darüber. Aber da sind zwei Kinder in meiner Klasse, die ganz viel Abstand halten, und die hatten vorher schon immer Masken auf und Plastikhandschuhe an. Vielleicht ist jemand krank in ihrer Familie.”

Frau Behrends: “ Wir versuchen uns nichts anmerken zu lassen, aber als wir den ersten Fall an unserer Schule hatten, waren wir schon besorgt.”

Es geht etwas verloren

Herr Evers berichtet von mehr Streitereien auf dem Schulhof. Seine Schule hat den Schulhof in vier Bereiche eingeteilt. Die Kohorten dürfen sich nur in ihrem Bereich aufhalten. Es ist eng und die Kinder können sich nicht aus dem Weg gehen. Fußball Spielen ist nicht mehr erlaubt. Die Kinder können in ihrer Pause nicht mehr so frei spielen.

Frau Behrends bedauert, dass der außerschulische Sport und viele andere Freizeitaktivitäten wegfallen. Auch das Singen in der Schule, die Ausflüge. “Für die Kinder fällt viel Schönes weg, Alles, was für die Seele wichtig ist.”

Fiona macht nach der Schule normalerweise viel Sport. Jetzt trainiert sie per Zoom. Besonders fehlt ihr das Tanzen.

Leah ist dagegen nicht so traurig, dass ihr Tanzkurs zur Zeit nicht stattfindet. Sie wollte sich eh abmelden und mit Reiten anfangen.

Die Sicht der Lehrer*innen

Frau Behrends rechnet vor, dass pro Woche etwa zwei Stunden mit Hygienemaßnahmen vergehen. Das ist Zeit, die für den Unterricht fehlt. Die Fachanforderungen müssen gesenkt werden. Interessanterweise bemerkt sie, dass die Kinder besonders gut gelernt haben, als die Klassen geteilt wurden und die Kinder zwischen Distanz- und Präsenzlernen abwechselten. Allerdings waren nicht alle Familien optimal mit PCs oder Tablets ausgestattet.

Auch Herr Evers sieht die Notwendigkeit, den Lernstoff zu reduzieren. Innerhalb jedes Faches haben die Kollegen*innen an seiner Schule überlegt, welche Schwerpunkte sie legen, damit die Kinder eine Grundlage fürs Weiterkommen haben.

Beide Lehrer sehen auch immer noch Defizite aus der Zeit, als die Schulen ganz geschlossen waren.

Unterm Strich

Diese Impressionen werfen ein kleines Schlaglicht auf den Schulalltag unter Corona-Bedingungen. Zu diesem Thema ließe sich sicher noch viel mehr erzählen.

Manchmal helfen Kleinigkeiten: Leahs Klasse hat eine Lichterkette in ihrem Klassenraum aufhängt. Das sieht schön aus, und die Stimmung ist jetzt besser, sagt sie.

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