Ist der “Penny an der Werft” integriert?

Die Frage hört sich etwas lustig an, aber genau darum ging es, als Frau Becker vom Stadtplanungsamt im Ortsbeirat Gaarden das Einzelhandelskonzept vorstellte. Und zwar möchte Penny an der Werftstraße erweitern. Das Vorhaben wird zur Zeit geprüft. Es gibt gute Gründe dafür und dagegen, wie die Diskussion im Ortsbeirat zeigte. Dabei spielt das Konzept des “integrierten Standortes” eine Rolle.

Penny an der Werft möchte erweitern

Der zum Rewe-Konzern gehörende Penny (Werftstraße 247) würde gerne die Fläche von 800 auf 1.000 Quadratmeter erweitern und würde dafür einen Teil des Parkplatzes opfern. Anscheinend wird dieser Parkplatz nicht wirklich ausgenutzt, weil viele oder sogar die meisten Kund*innen zu Fuß kommen. So sah es auch aus, als ich an einem Wochentag fotografierte: Es standen relativ wenige Autos auf dem Parkplatz. Dafür kamen mir etliche Leute mit ihren Shoppern oder beladen mit großen Tüten entgegen. Obwohl der Penny am Rande der Wohnbebauung im Gaardener Gewerbegebiet liegt, machen sich Gaardener zu Fuß auf den Weg, und das liegt nicht an mangelnden anderen Einkaufsmöglichkeiten. So gesehen würde eine Erweiterung Sinn machen, auch für die Gaardener, die ohne Auto unterwegs sind.

Gründe dagegen

Genau diese Randlage steht einer Erlaubnis zur Erweiterung jedoch entgegen. Denn gemäß Kiels Einzelhandelskonzept dürften Supermärkte nicht in Gewerbegebieten gebaut oder erweitert werden. Penny in der Werftstraße entspricht nicht dem Ziel eines ins Wohngebiet integrierten Geschäfts. Für die Prüfung dieses Falls dürfte aber auch eine Rolle spielen, ob eine Sortimentserweiterung geplant ist.

Ziel: fußläufige Nahversorgung

Ein ganz zentraler Gedanke des Einzelhandelskonzepts ist es, die fußläufige Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, Genussmittel, Drogerieartikeln und Pharmazie zu fördern. Neuansiedlungen oder Erweiterungen dürfen die Grundversorgung in den Wohngebieten nicht beeinträchtigen. Beispiel: Wenn es wie in Gaarden zentrale Supermärkte gibt, darf kein neuer großer Supermarkt im Gewerbegebiet oder am Stadtrand gebaut werden. Denn es soll nicht passieren, dass diese großen nicht-integrierten Supermärkte die kleinen aus dem Geschäft drängen und am Ende Leute ein Auto brauchen, um einkaufen zu können. (Von dieser Regel ausgenommen sind Kioske, Tankstellenshops, Souvenirläden. Für Sortimente, die nicht zur Grundversorgung gehören, gelten andere Regeln. )

Weniger Betriebe bei gleicher Fläche

Kiel ist insgesamt gut aufgestellt, was den Einzelhandel betrifft:

  • Es gibt 1.670 Einzelhandelsbetriebe auf einer Fläche von 450.000 Quadratmeter.
  • Die Zahl der Betriebe ist zwar zurückgegangen, nicht aber die Fläche. Dieser Trend liegt an der zugenommenen Konzentration auf größere Geschäfte.
  • Vor allem die Kioske und die Tante-Emma-Läden verschwinden.
  • Mit 1,92 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner liegt Kiel über dem Durchschnitt.

Das Einzelhandelskonzept wird zur Zeit fortgeschrieben, um es rechtskonform zu machen. Sinn dieses Konzeptes ist es, eine Entscheidungsgrundlage zu haben in Bezug auf Erweiterungs- und Ansiedlungsvorhaben. Was das für Penny in der Werftstraße bedeutet, bleibt abzuwarten.

Weiterlesen: In diesem Artikel geht es u.a. um ein ehemaliges Einkaufszentrum. Straßenportrait Sören

ÖPNV -Streik geht weiter

Tarifverhandlungen im öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein unbefriedigend beendet – es folgt ein dreitägiger Warnstreik .

 „Der kommunale Arbeitgeberverband hat zwar ein Angebot vorgelegt, dies ist aber eine unzureichende Grundlage in Richtung eines Tarifabschlusses zu werten. Das vorgelegte Angebot wurde einstimmig von der Tarifkommission abgelehnt”, so Karl-Heinz Pliete, Verhandlungsführer von ver.di Nord.

Die Warnstreiks beginnen am kommenden Dienstag mit Betriebsbeginn und werden bis zum Betriebsschluss am Donnerstag andauern. Betroffen sein werden die Standorte Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster.

ver.di Nord fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,06 Euro pro Stunde ab dem 01.01.2020. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 12 Monaten bekommen.

Die Arbeitgeber haben angeboten, einen Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit abzuschließen.  In dem Angebot sind drei Erhöhungsstufen erhalten. 110,- Euro für 2020, 2,8% für 2021 und 2,30 % für 2021.

Die Verhandlungen sollen am 13. Februar in Neumünster weitergeführt werden.

14-jährige vermisst

Seit Dienstag wird die 14 Jahre alte Ria Jenny H. aus Kiel vermisst. Umfangreiche Suchmaßnahmen der Polizei führten zu keinem Erfolg, weshalb nun Medien und Bevölkerung um Mithilfe gebeten werden. Das Mädchen könnte sich sowohl in Kiel als auch im restlichen Schleswig-Holstein oder in Hamburg aufhalten.

Zuletzt wurde sie an ihrer Wohnanschrift in der Kieler Boninstraße gesehen. Die Kriminalpolizei konnte ermitteln, dass sie sich wahrscheinlich zwischenzeitlich im Bereich Itzehoe und in Hamburg aufgehalten haben könnte. Das Mädchen benötigt ärztliche Hilfe. Eine Straftat steht nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht in Verbindung mit ihrem Verschwinden.

Ria Jenny ist etwa 165 cm groß und schlank. Sie dürfte schwarze Kleidung tragen. Auffällig sind die kurz rasierten Haare (Sidecut) an den Seiten ihres Kopfes sowie das grün/türkis gefärbte Haupthaar.

Personen, die Angaben zum Aufenthaltsort der Jugendlichen machen können, werden gebeten, sich unter 0431 / 160 3333 mit der Kieler Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen. Hinweise nehmen auch jede andere Polizeidienststelle und der Polizeiruf 110 entgegen.

Was macht die Drogenhilfe Kiel-Ost?

“Nicht anfassen!” ruft Frau Abel schnell, als ich in die Kiste mit den abgegebenen Spritzen schaue. Eine der Aufgaben der Drogenhilfe Kiel-Ost ist es, Spritzen und andere Drogenutensilien zu tauschen und auszugeben. Diese Möglichkeit wird von Usern auch reichlich genutzt. Die Sozialpädagogin Tina Abel sagt ganz klar, dass jede auf einem Spielplatz gefundene Spritze eine zu viel ist. Dennoch tauscht allein die Drogenhilfe Kiel-Ost jährlich ca 45.000 Spritzen und bietet die Möglichkeit, diese auch wieder fachgerecht zu entsorgen. Die Drogenabhängigen hätten schon ein Bewusstsein für das Gefährdungspotential von benutzten Spritzen.

Offene Sprechstunde in der Drogenhilfe Kiel-Ost

Die Drogenhilfe Ost in der Johannisstraße 55 betreut und berät Menschen, die von illegalisierten Drogen abhängig sind, sowie deren Angehörige. Die Drogen sind vor allem Heroin, Haschisch und Kokain. In die offene Sprechstunde können Menschen spontan kommen , wenn sie Hilfe brauchen. Der Zugang ist niedrigschwellig, das heißt, kein Problem ist zu klein für eine Kontaktaufnahme und die Menschen sind nicht verpflichtet, die Beratungsstelle möglichst clean aufzusuchen. Neben der Abhängigkeit geht es auch oft um allgemeine Hilfen. Da möchte jemand mal telefonieren oder benötigt Hilfe beim Ausfüllen eines Formulars für das Jobcenter. Die Reflexion des eigenen Konsumverhaltens beginnt oft mit der Frage, ob man überhaupt schon abhängig sei. Denn bei illegalisierten Drogen verhält es sich nicht anders als bei Tabak und Alkohol: die Übergänge vom gelegentlichen Konsum zur Abhängigkeit verlaufen fließend und sind für die Betroffenen nicht immer klar zu erkennen.

Die Drogenhilfe Ost arbeitet niedrigschwellig und akzeptierend. Die drei Mitarbeiter*innen haben nicht den Anspruch, dass alle clean werden sollen, denn der Aufsuchende bringt selber ein Anliegen mit. Manche Konsument*innen möchten aufhören, manche nur reduzieren, manche möchten sicher konsumieren, und manche brauchen Hilfen im Alltag. Manche möchten sich einfach nur eine Weile im Aufenthaltsraum ausruhen. Je nach Bedarf wird auf die Anliegen reagiert. Drogenkonsum in den Räumlichkeiten ist nicht erlaubt.

Nicht nur Spritzen

Die Sozialpädagogin Tina Abel nahm sich Zeit, mit mir über ihre Arbeit und die Drogenszene in Kiel und vor allem in Gaarden zu sprechen. Wir machten auch einen Rundgang durch die Räumlichkeiten. Vorne im Aufenthaltsraum fiel mir die Kerze mit der “Ruhe in Frieden”-Karte auf, dazu gleich mehr. Neben Besprechungsräumen ist der “Tauschraum” wichtig. In einem Schrank sehe ich Spritzen in allen Größen, Filter zum Herausfiltern von Verunreinigungen, Alkoholpads, Snieferpäckchen, Raucherpäckchen und Kondome, auch besonders reißfeste für den Analverkehr. “Auch Männer prostituieren sich”, sagte Frau Abel erklärend. Die Raucherpäckchen werden für den Heroinkonsum gebraucht. Der Koks (auch Crack genannt) wird in speziellen Pfeifen erhitzt und die Dämpfe eingeatmet.

Die Drogenhilfe Kiel-Ost betreut ca. 900 Menschen im Jahr. Für Substituierte und Abstinenzorientierte gibt es zusätzlich die Möglichkeit einer ambulanten Betreuung. Frau Abels Kollege und Sozialarbeiter Klaas Kindermann leitet das Projekt KISS. Hier geht es darum, den Drogenkonsum selbstbestimmt zu reduzieren. In 1-2 Vorgesprächen und 12 Sitzungen wird ein Konsumplan erstellt und an verschiedenen Lebensbewältigungsstrategien gearbeitet. Zentral ist dabei ein Konsumtagebuch.

In der Drogenhilfe Ost und über den Spritzenautomaten (Ecke Karlstal/ Kaiserstraße) wurden 2019 ca 37.000 Spritzen ausgegeben! Das zeigt nicht nur, dass die User ein Gesundheitsbewusstsein haben, sondern gibt auch einen Eindruck von der Dimension des Konsums!

Kiel hat übrigens die höchste Anzahl von Substituierten (gemessen an der Einwohnerzahl) in ganz Deutschland. Das hat historische Gründe: ein Kieler Arzt begann als erster in Deutschland mit der Substitutionstherapie, andere Abhängige kamen deshalb nach Kiel. Denn die Substitution mit Methadon nimmt die Entzugserscheinungen und ermöglicht dadurch den Einstieg in den Ausstieg. Wegen der hohen Anzahl an Süchtigen begannen dann auch andere Kieler Ärzte diese Therapie anzubieten.

Wie verändert sich die Szene?

Frau Abel sagt, Kokain, auch in der Form von Crack, wird momentan auffällig viel konsumiert. Neu ist, dass vermehrt Kokain gespritzt wird. Heroin wird auch noch konsumiert. Der Mischkonsum nimmt zu: Kokain, Haschisch, Alkohol, Tabletten. Frau Abel meinte auch, dass psychische Erkankungen eine größere Rolle als früher spielen, wobei hier die Frage offen ist, was zuerst kommt. Nehmen Leute Drogen, um Depressionen, Psychosen und andere Krankheiten in den Griff bekommen, oder verursachen Drogen in diese Krankheiten? Wahrscheinlich ein wenig von beiden. Dazu kommen große existentielle Probleme oft von Jugend an. Stromabstellungen, Obdachlosigkeit, Gewalt in der Familie…. Frau Abel sagt, viele Lebensgeschichten sind erschütternd.

Wie wichtig die Versorgung ist, zeigt eine aktuell traurige Entwicklung. Gab es letztes Jahr 15 Todesfälle, so waren es im ersten Monat dieses Jahres schon fünf! Weil viele der Drogenabhängigen wenige echte Freunde haben, stellt die Drogenhilfe jetzt ein Kerze für jeden Todesfall in das Fenster, um die Möglichkeit zum Trauern zu geben. Für das zunehmend gefährliche Leben mit Droge gibt es zahlreiche Gründe:

  • mehr Wohnungslosigkeit, was zu mehr Verwahrlosung führt, wobei der Verlust der Wohnung auch Ergebnis von Verwahrlosung sein kann.
  • mit verschiedenen Schadstoffen gepanschte Drogen und zunehmender Mischkonsum
  • mehr ältere Abhängige mit Folgekrankheiten (z.B. Leberleiden, Blutvergiftung)

Tina Abel erzählt mit viel Wärme und Empathie von ihrer Arbeit. Sie sagt, manchmal ist es schon ein Erfolg, wenn eine Person, die zur Beratung kommt, überlebt und wiederkommt. Das Leben vieler Drogenabhängiger hängt am seidenen Faden, lerne ich in unserem Gespräch.

Sprechzeiten: montags 10 – 12 Uhr, dienstags 10 – 15 Uhr, donnerstags 10 – 15 Uhr , https://www.spritzenautomaten.de/betreiber/drogenhilfe-kiel-ost

Endspurt für Volksbegehren zum Schutz des Wassers

Pressemitteilung : Volksbegehren im Endspurt – wir brauchen noch Unterstützung!

Am kommenden Samstag, 8.2.2020, 11 Uhr, Holstenplatz (neben Rossmann)haben wir erneut einen Infostand angemeldet. Bis zum 2.3. haben wir noch Zeit weitere Unterschriften für das Volksbegehren zum Schutz des Wassers zu sammeln.

Es geht weiter darum, dass Behörden und Gemeinden das Recht erhalten sollen, im überwiegenden öffentlichen Interesse Informationen weiterzugeben oder zu veröffentlichen, insbesondere auch zum Schutz von Leben und Gesundheit der Bevölkerung. Dazu gehören vorrangig auch Pläne zu geplanten neuen Lizenzen zur Ölförderung und zu Fracking.

Das Landesverfassungsgericht hat jetzt entschieden, dass Fracking in Schleswig-Holstein durch Landesrecht nicht verboten werden darf. Wir können Fracking wie bisher in Schleswig-Holstein überall erfolgreich, nur verhindern, wenn wir frühzeitig Informationen erhalten. Dazu brauchen wir ein Gesetz, das uns die nötige Transparenz schafft.

Wir bekommen leider keine Informationen von den Ämtern, wie viele Unterschriften wir aktuell haben.
Helft uns jetzt am Samstag beim Sammeln, denn nach dem 2.3. ist keine Unterschrift mehr gültig.

Ab 11 Uhr sind wir auf dem Holstenplatz mit Plakaten und Infostand. Wenn wir genug Unterstützung haben können wir vielleicht auch an mehreren Orten gleichzeitig sammeln.

Unterschriften und Klemmbretter sind ausreichend da, aber gerne auch noch Plakate, Umhänger und Klemmbretter mitbringen.

Wir freuen uns auf Deine Unterstützung.

Viele Grüße von
Uwe Stahl