Was ist los mit der Holstenstraße?


Allgemein, Stadtteile / 2. März 2019

Seit meinem letzten Bericht über die Holstenstraße haben weitere Geschäfte geschlossen. Ein schwerer Schlag für Kiels ehemals wichtigste Shoppingmeile war der Rückzug von Intersport Knudsen. Mittlerweile sind auf der 1,4 km langen Holstenstraße sechzehn Geschäfte geschlossen. Die Straße macht einen trostlosen Eindruck.

Warum sinken die Mieten nicht?

Man würde ja meinen, dass sich bei den Besitzern der Immobilien so etwas wie Realismus einstellt angesichts der Tatsache, dass sie die hohen Mieten offensichtlich nicht am Markt erzielen können. Eine Konsequenz wäre, die Mieten zu senken, auch um Verantwortung für die Attraktivität der Straße zu übernehmen. Letztlich machen die Leerstände die ganze Straße unattraktiv, worunter die noch bestehenden Geschäfte leiden.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Mieten nicht sinken:

  • Die meisten Immobilien auf der Holstenstraße sind im Besitz von großen Immobilienfonds, die keinen Bezug zu Kiel haben. Sie sitzen in Hamburg, Düsseldorf oder im Ausland. Kiel ist ihnen egal.
  • Auch ein leerstehendes Ladenlokal bringt Geld – und zwar als Abschreibungsobjekt. Dann gibt es zwar keine Mieteinnahmen, aber der Einnahmeverlust kann beim Finanzamt steuermindernd geltend gemacht werden. Anstatt Geld zu verdienen, wird Geld gespart.
  • Diese großen Immobilienfonds besitzen sehr viele Immobilien. Das einzelne Objekt spielt für sie keine große Rolle.

Kiel-Marketing bemüht sich um Zwischennutzungen

Der Versuch, kreative Zwischennutzungen zu organisieren , gestaltet sich als sehr schwierig, obwohl es ein gute Lösung wäre. Immerhin gibt es jetzt in der Schlossstraße zwei Objekte, in denen sich sogenannte Pop-up Stores präsentieren dürfen. In der Holstenstraße klappt das bis jetzt allerdings nur selten. Janine-Christine Streu von Kiel-Marketing bemüht sich um dieses Thema, stößt aber auf wenig Interesse. Dabei kümmert sie sich um die Verhandlungen, formuliert die Verträge, kurzum: die Manager der Fonds müssten nur noch unterschreiben. Aber sie zögern, weil sie nicht wissen , wie das beim Finanzamt ankommt. Schlimmer noch, Frau Streu hat Schwierigkeiten überhaupt Gesprächspartner in diesen Firmen zu finden. Das Interesse ist nicht vorhanden, weil die einzelne Kieler Immobilie im Gesamtportfolio keine Rolle spielt.

Wie geht es mit der Holstenstraße weiter?

Einige Faktoren könnten für eine Belebung sprechen. Wenn das neue Kaufhaus Primark eröffnet, könnte es sich als Publikumsmagnet erweisen und Kunden in die Holstenstraße ziehen. Dazu kommt die Kaufkraft des neuen Schlossquartiers. Auch der Kleine Kiel Kanal dürfte die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt steigern, wobei allein schon das Ende der Bautätigkeit eine Verbesserung wäre. Dann ist da noch ein Wettbewerb zur Belebung des öffentlichen Raums in der Holstenstraße gestartet worden. Ob diese Faktoren ausreichen, um Ladenketten, die die hohen Mieten zahlen könnten, anzulocken, ist nicht gewiss. Es kann auch sein, dass sich die Einkaufsgewohnheiten unwiederbringlich geändert haben.

10 Replies to “Was ist los mit der Holstenstraße?”

  1. Tja, so ist das, wenn sich das Kapital von den Menschen entfernt. Solange niemand es wagt etwas zu ändern an dem System “die Großen zu füttern” , wird sich an der Verwaisung der mittelgroßen Städte wie Kiel wohl kaum etwas ändern. Die Einkaufsgewohnheiten haben sich nicht nur wegen dem Internet verändert, sondern auch, weil fast sämtliche interessanten Geschäfte verschwunden sind wegen Mieten die man niemandem erklären kann ….So macht shoppen ja auch keinen Spass mehr .

  2. Die Innenstadt ist tot! Das wollen so viele bloß nicht wahrhaben. Es ist das Ergebnis der Bemühungen ab Mitte der 70er Jahre, die Autos aus der Stadt zu vertreiben. Jetzt ist es fast geschafft, Glückwunsch! – es freuen sich Citti Park, Schwentinental und co.

  3. Allein der Bestand des Internets kann es einfach nicht sein. Anderswo funktioniert ja “trotzdem” noch Umsatz gemacht, und nicht wenig.
    Das Internetangebot kann nicht nur Kunden wegnehmen, nein, es macht auch User neugierig und wäre die Möglichkeiten da, nach dem Betrachten des Artikels/Gegenstandes am Monitor denselben vorort einmal in die Hand zu nehmen … Hmmmhh? So nach dem Motto: haben die Geschäfte zu, nachts, am Wochenende oder wann auch immer … DA kann man so in aller Ruhe “rumspökern/scouten” nenne ich es, meistens gar nicht mit einem unbedingten Bedarf, einfach ‘mal so 😉
    Doch findet man diese Geschäfte in Kiel nicht mehr in der Holstenstraße … dann in der Woche, tagsüber … dann höchstens noch auf der Wiesen oder in den zentralen Einkaufzentren. Isso …
    Also deshalb herumjammern und da die Schuld suchen, geht nicht oder besser nicht richtig.
    Dass ganze Familienbetriebe eingebrochen sind, aus ganz natürlicher Tradition wie keine Nachfolger, kein Käufer … weil die Zeit sich geändert hat, DAS ist ein wesentlicher Grund. Die Mieten waren immer schon hoch … in meinen Augen unverhältnismäßig …
    EG 150,00 Mark/m² und im OG nur 50,00 Mark/m² … aber pro Quadratmeter, und so ein Laden braucht mit den Nebenflächen nicht wenig davon. Kein Eis-Str.verkauf, aber ein Schuhladen … Verkaufs-u. Lagerfläche, Personal- evtl auch Büroräume … schnell waren das etliche Zigtausend Märker im Monat erforderlich.
    Ja und kam es zum Leerstand so halfen ja die beschriebenen “Hilfsmöglichkeiten”. Familienbesitz wurde veräußert und die Großkonzerne haben es durch die Bücher gehen lassen 🙁 … damals und auch heute. DAS weiß jeder, der mit Immobilien zu tun hat und auch die Stadtverwaltung/-kämmerei, die davon ja auch leben sollten.
    Gegen den Verfall hat die Stadt leider nicht viel getan, eher im Gegenteil. Lukrativ geplant von anderen geht anders als für sich selbst planen.
    Nur Vorgaben und Auflagen, Veränderungen und Zwangsmaßnahmen geht nicht auf Dauer gut, Sorry … im Nachherein kann man sicher gut kritisieren … aber es steckt verdammt viel Wahrheit dahinter. Viele Private haben dafür bezahlen müssen.
    Und wer heute da noch freie Flächen hat, wird sich nicht gerne in dem Zustand vertragsmäßig binden wollen … alle warten auf die versprochenen “Goldenen Zeiten”
    Ist ja bald, oder doch nicht?

    1. Die Besitzer warten auf “Goldene Zeiten”, genau so ist es. Und sie können die entgangenen Mieteinnahmen eben locker wegstecken. Irgendwie funktioniert die Marktwirtschaft hier nicht so richtig, ist mein Eindruck.

  4. Wenn man sich die Situation in Flensburg ansieht, dort geht es auch und die Stadt ist voll.
    Wismar, Schwerin, Rostock haben auch mehr kleinräumige interessante Läden. Auch das ist eine Chance.

    1. Danke für diese Beobachtung. Ich denke auch, wenn die Besitzer der Holstenstraßen-Immobilien mit ihren Mieten auf das Niveau der Holtenauer Straße beispielsweise runter gehen würden, würden sich interessante Geschäfte dort ansiedeln.

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