Kiel, der Klimawandel und die Ostsee


Allgemein, Themen / 28. Dezember 2020

Kiel gehört zu den Städten, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind. Die Gefahr besteht nicht nur direkt durch den steigenden Meeresspiegel der Ostsee sondern vor allem durch Sturmfluten, die häufiger und heftiger werden. Sie führen zu temporären Überflutungen und zur Erosion der Küste. Kann man aktuell schon gut in Schilksee-Süd beobachten, wo die Steilküste im Tempo von 0,7 Meter pro Jahr abbricht.

Warum steigen die Meeresspiegel durch den Klimawandel?

Wissenschaftler*innen reden von steigenden Meeresspiegeln im Plural, weil die Effekte nicht überall gleich auftreten. (Das Verhalten der Ostsee ist allerdings eng am globalen Mittelwert.) Warum steigen die Meeresspiegel in Folge des Klimawandels? In der Broschüre des Konsortium Deutsche Meeresforschung (KMD) lese ich: “Das Wasser dehnt sich mit zunehmender Temperatur aus, die schmelzenden Gletscher und Eisschilde führen dem Ozean Wasser hinzu.”

Die Meeresspiegel steigen und sie steigen schneller. Betrug der Anstieg von 1901 bis 1990 noch 1,5 Millimeter im Jahr, so waren es von 2006 bis 20015 schon 3,6 Millimeter im Jahr. Insgesamt stieg der gemittelte globale Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um 15 Zentimeter.

Auch Landsetzungen ein Problem

Durch meine Lektüre lernte ich, dass für die Probleme in Küstenregionen auch Landsetzungen eine wichtige Rolle spielen. So ist Tokio um vier Meter gesunken! Bei diesem Effekt spielen sowohl menschengemachte als auch geologische Entwicklungen eine Rolle. So führt ein sinkender Grundwasserspiegel zu einer Verdichtung und Setzung des Landes. Für Schleswig-Holstein ist auch der geologische Anstieg von Skandinavien von Bedeutung. Wie bei einer Wippe senkt sich dadurch das Land bei uns.

Auch alle Bauten an der Küsten und dazu zählen auch Dämme, Wasserbrecher oder andere Bauwerke des Küstenschutzes beeinflussen den Wasserspiegel und die Erosion. Der Schutz an einer Stelle kann die Probleme an einer anderen Stelle der Küste verschärfen. Auch hier wieder das Beispiel Schilksee-Süd: Die Wellenbrecher von Schilksee-Nord führen zu einer sogenannten Lee-Erosion in Schilksee-Süd.

Insgesamt können Landsenkungen von mehrern Zentimetern im Jahr kurzfristig einen größeren Effekt haben als ein steigender Meeresspiegel. Aber langfristig ist der Klimawandel die größere Gefahr. Denn sollten die Eismassen der Antarktis im Laufe der Jahrtausende ganz abschmelzen, würde der Meeresspiegel möglicherweise um 60 Meter steigen! Aber zurück zur näheren Zukunft.

Gefährdete Küstenstädte an der Ostsee

Das Umweltbundesamt rechnet mit einem Anstieg des Meeresspiegels um 50 Zentimeter in den nächsten 100 Jahren. Und das Konsortium Deutsche Meeresforschung: “Laut aktuellen Projektionen müssen wir mit einem globalen mittleren Anstieg von 43 bis 84 Zentimetern bis zum Ende dieses Jahrhunderts rechnen.“

Langfristig sind vor allem nah am Meer gelegene Städte gefährdet, zum Beispiel Kiel, sowie alle Regionen entlang der Küste, die weniger als drei Meter über dem Meeresspiegel liegen.

In Kiel liegen vor allem die Stadtteile Ellerbek, Holtenau und Friedrichsort tief. Sie sind bei Sturmfluten besonders betroffen.

Es wird hunderte von Jahren dauern wird, bis die Ostseeküste unter Wasser liegt. Das aktuellere Problem für die Ostseeküste sind Sturmfluten, die durchaus einen Pegel von 3 Metern oder mehr erreichen können. Auch die Erosion der Küstenlinie, also das Wegspülen von Stränden oder das Abbrechen von Steilküsten ist jetzt schon Thema. Einer der ersten Orte, in denen möglicherweise ein Rückzug stattfinden wird, ist Schilksee-Süd. Hier bricht die Steilküste im Tempo von 0,7 Metern pro Jahr ab und man kann ausrechnen, wann die Abbruchkante die erste Häuserreihe in 60 Meter Entfernung erreicht.

Langfristig ist das Konsortium sehr pessimistisch, was den Erhalt der Ostseeküste anbetrifft. Eine weitere Deichverstärkung an der Ostsee sei ab einem gewissen Punkt eventuell nicht mehr wirtschaftlich effizient. Ein Rückzug aus gefährdeten Gebieten müsste dann in Betracht gezogen werden.

Besonders deprimierend an dieser Entwicklung: selbst wenn die CO2-Emissionen bald auf Null gebracht werden würden, würde der Anstieg der Meeresspiegel nicht sofort enden. Das liegt an der Trägheit der Ozeansysteme. Große Anstrengungen im Klimaschutz sind dringend geboten, auch in Hinblick auf zukünftige Generationen, denn unser Handeln heute hat Auswirkungen auf die Meeresspiegel in 100 Jahren.

https://www.kn-online.de/Kiel/Klimawandel-Zu-wenig-Vorsorge-vor-Hochwasser-in-Kiel

https://coastal.climatecentral.org/map/12/10.1785/54.362/?theme=water_level&map_type=water_level_above_mhhw&basemap=roadmap&contiguous=true&elevation_model=best_available&refresh=true&water_level=3.0&water_unit=m

Enthält Link zur PDF-Broschüre: https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/meeresspiegel.html: kk-kdm-meeresspiegelbroschuere-web

https://www.bmu.de/faq/warum-ist-klimaschutz-wichtig/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.