Versorgungszaun für Obdachlose


Allgemein, Stadtteile, Themen / 26. März 2020

(Nachtrag von 27.März: Die Spendensammlung an der Hörnbrücke wurde im Auftrag der Stadt beendet. )

Zur Zeit verwandelt sich der Zaun an der Hörnbrücke zu einer Spendensammlung für Obdachlose: der Versorungszaun. Als ich heute um etwa 12 Uhr vorbeischaute, bot sich mir folgendes Bild: Vor dem Zaun lagen Plastiksäcke und Tüten, teils waren sie auch am Zaun festgebunden. In einem steten Strom brachten Leuten Spenden oder nahmen sie mit. Die Obdachlosen nehmen dieses Angebot an.

Das Foto zeigt zwar eine eher menschenleere Szene, das lag aber daran, dass ich keine Obdachlosen fotografieren wollte. Die Frau auf dem Foto ist eine Freiwillige, die hier regulierend eingreift. Sie achtet darauf, dass alles ordentlich aussieht, sortiert verschimmelte Lebensmittel aus und schickt Leute, die Kleidung bringen, wieder fort.

Im Gespräch mit dieser Freiwilligen und einigen Obdachlosen verschaffte ich mir einen Eindruck, welche Art von Spenden erwünscht sind:

  • An erster Stelle stehen Hygiene-Artikel. Die Obdachlosen freuen sich sehr über Duschgel, Creme, Zahnbürste, Zahnpasta, und nehmen auch gerne eine Rolle Klopapier.
  • An zweiter Stelle stehen Lebensmittel, die direkt gegessen werden können, vor allem Obst, aber auch Brötchen oder Weißbrot .
  • Dosensuppen werden gerne genommen! Ich lernte, dass sich viele Obdachlose auf dem Campingkocher etwas warm machen.

Kleidung soll nicht mehr gebracht werden. Auch eher ungünstig sind Butter und Aufschnitt und alle Artikel, für die man einen Kühlschrank bräuchte.

Dank der freiwilligen “Ordner” sieht alles tagsüber sehr geregelt aus. Nachts würden dann die Junkies kommen, und danach würde es wie ein Schlachtfeld aussehen. Da waren sich meine Gesprächspartner*innen einig, ich selber habe es nicht überprüft.

Auf dem Weg durch Kiel sprach ich mit einigen Bettlern, die von dieser Spendensammelstelle nichts wussten. Erzählt es weiter! Wichtig ist aber, sich klar zu machen, dass Obdachlose und Bettler*innen noch andere Bedürfnisse haben, für die sie Geld brauchen.

Das Ordnungsamt duldet diesen Versorgungszaun. In der Corona-Krise, wo die Tafeln geschlossen haben und weniger Menschen unterwegs sind, die mal etwas Kleingeld in den Hut werfen würden, kann diese spontan entstandene Spendenaktion die Not lindern.

2 Replies to “Versorgungszaun für Obdachlose”

  1. Ich bin substituiert – also bin eine Drogenabhängig. Ich würde mich über so eine Tüte riesig freuen – tagsüber würde ich dann eben einen Ordner fragen ob ich mir was nehmen kann. Nicht alle Drogenabhängige machen die Dinge die ihnen vorgeworfen werden. Es gibt noch andere Menschen die so etwas tun. Warum wird alles immer auf die Drogenabhängige geschoben – vielleicht weil sie tagsüber nicht an den Zaun dürfen?
    Ich bin ein ganz normaler Mensch mit einem Minimum an Rente und da mein Sohn noch bei mir wohnt auch noch minimal ALGII. Wir haben kein Geld mehr denn auch wir haben Angst vor allem weil ich zu einer Risikogruppe gehöre. Ich bekomme schon ohne Corona keine Luft und raus gehen….. egal ich schweife ab. Redet mal mit den Leuten, die meisten sind sehr inteligent und die Orte wo sie sich Duschen und Wäsche waschen können (kostenlos) sind alle zu. Tja und auch ich bin auf das Waschcenter angewiesen – zum Glück geh ich nicht raus also riecht mich keiner :-D. Bitte bitte stellt nicht die Süchtigen an die Mauer – OK manche Drogenabhänge sind Obdachlos – aber viele haben auch eine Wohnung. Fallen die genau wie wir in die Schublade – Dreck der Gesellschaft kann weg?- ich hoffe nicht

    1. Liebe Jutta, leider hat die Stadt den Versorgungszaun verboten, das ist zumindest meine Info. ….Ich persönlich fand diesen Versorgungszaun sehr gut, auch um mehr über das Leben von Bedürftigen zu erfahren. Vielen Dank für die Schilderung deiner Lebenssituation. Sie ist sehr schwierig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.