Kontrollgänge durch Kleingärten


Themen / 12. Oktober 2018

Eigentlich wollte ich etwas Positives über die Kieler Kleingärten berichten. Denn in der letzten Zeit zeichneten die Artikel in der Presse und auch auf diesem Blog ein Bild der Anarchie in Kieler Kleingärten. Dieses Bild ist aber völlig überzeichnet. In Wirklichkeit arbeiten die Kleingärtner*innen weitestgehend in Harmonie mit der Natur und miteinander . Allerdings manchmal im Konflikt mit der Gartenordnung, die auch nicht immer als sinnvoll gesehen wird.Müssen Hecken wirklich auf 1,20 herunter geschnitten werden? “Kein Vogel nistet in einer 1,20 hohen Hecke,” sagte Herr Rehse, Vorsitzender des KGV Schilksee.

Ich besuchte also den Kreisverband der Kleingärtner um mal zu hören, was es vielleicht für Marketing-Ideen gibt, über die ich berichten könnte. Irgendetwas um herauszustellen, wie wichtig die Kleingärtnerei für ganz Kiel ist. Ich traf dort Gerd Rehse vom KGV Schilksee, der auch im Kreisverband sitzt. Er berichtete davon, dass der Kreisverband jetzt mit der Firma Remondis die Drainagen spült. Das ist dringend notwendig, da viele Gärten im regenreichen 2017 unter Wasser standen. Die Ursache sind versandete Schächte.

Dann waren wir aber schnell bei den Problemen. Und zwar beim Thema Kontrolle der Gärten durch die Stadt.

Nach dem Gespräch mit Herrn Rehse rief ich auch noch beim Amt für Immobilienwirtschaft und beim Pressereferat an. Das folgende ist eine Zusammenfassung der so gewonnenen Erkenntnisse:

Beteiligt an den Kontrollen sind das Amt für Immobilienwirtschaft und das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation.

Zwei Mitarbeiter vom Amt für Immobilienwirtschaft (es sind Männer) und zwei Mitarbeiter*innen vom Amt für Bauordnung begehen die Gärten systematisch. Die Männer von der Immobilienwirtschaft schauen nach zu hohen Hecken, Schornsteinen, zu große Lauben, kurz ob die Kleingartenregeln eingehalten werden. Die Kräfte der Bauordnung kontrollieren vor allem die Lauben in Hinsicht auf Größe und Bewohnbarkeit. Sie arbeiten auch mit google maps Bilder.

Bei den Begehungen dürfen Mitglieder der Vereinsvorstände dabei sein. Die Termine sind aber immer sehr kurzfristig und ungünstig für die meist berufstätigen Vorstandsmitglieder.

Wenn etwas beanstandet wird, melden die Ämter (ob getrennt oder gemeinsam, weiß ich nicht) die Parzellennummer an den jeweiligen Verein. Eine Kopie geht an den Kreisverband. Der Verein schickt dann jemanden vorbei um mit den Pächter*innen zu sprechen oder schreibt sie an. (Gerade diese persönliche Ansprache ist für die Pächter*innen aber manchmal problematisch, weil sie dann nichts in der Hand haben um sich Rechtsbeistand zu holen. )

Gerd Rehse sagt, auf die 95 Parzellen in seinem Verein in Schilksee entfallen vier Rückbauforderungen. Das Amt für Bauordnung schätzt, dass von den 2000 bis jetzt von ihm betrachteten Gärten in rund 85 Prozent der Gärten zu große Lauben gesichtet worden sind. Das wären 1.600 Gärten. Darunter sind rund 600 Fälle mit besonders schweren Rechtsverstößen, also Lauben mit deutlich über 50 Quadratmeter überbauter Fläche, Feuerstätten und illegale Entwässerung. Herr Rehse schätzt, dass insgesamt ein Drittel bis zur Hälfte der Gärten erfasst worden ist. Besonders betroffen vom Problem der zu großen Lauben sind die Vereine Gaarden Süd. Kiel Ost, Ellerbek und der Kieler Verein von 1897.

Bleibt die Frage, warum so viel kontrolliert wird. Ist es die Suche nach Bauland? Warum werden bei den Kleingärten die Daumenschrauben angesetzt?

Die Geschichte mit den zu großen Lauben ist dabei das brisanteste Thema. Es hat zwar auch viel Aufregung über die zu hohen Hecken gegeben, aber letztlich kann man da die Heckenschere hervorholen, und dann ist es gut. Eine zu große Laube zurückzubauen geht dagegen bei vielen Pächter*innen an die Substanz, denn es bedeutet, die Laube muss abgerissen und neu gebaut werden. Da in vielen Lauben Asbest verbaut worden ist, sollte man den Abriss auch vom Fachmann machen lassen. Herr Rehse sagte, manche dieser Lauben stünden seit Jahrzehnten und hätten niemanden gestört. Aber jetzt auf einmal. Er sagte : “Sie vergessen, dass die grüne Lunge von Kiel von den Kleingärtnern frei gehalten wird.”

Anfang November kommt ein kleiner Kleingartengipfel. Dann trifft sich Oberbürgermeister Kämpfer mit Vertreter*innen der Kleingärtnervereine. Bin gespannt.

2 Replies to “Kontrollgänge durch Kleingärten”

  1. da bin ich aber mal gespannt wer da alles eingeladen wird,,oder werden wir übergangen….zum thema rückbau von diversen lauben ….wäre nicht mal das große problem..aber wer übernimmt die kosten,asbest und müll der sich jahrelang angesammelt hatt das kostet richtig geld !!die stadt will rückbau ect. dann soll sie sich auch an den kosten beteiligen sowas kann kein verein allein stemmen..das könnte doch der KV.doch mal unterstützen….mfg vorsitzender Süd.

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