Permakultur rund um die Alte Mu


Allgemein / 18. Juni 2018

Mathias Semling zaubert Biotope rund um das Kulturzentrum Alte Mu und wendet dabei die Prinzipien der Permakultur an. Das Ergebnis sind fantasievolle Beete und Areale, bei denen sich die Pflanzen gegenseitig unterstützen und relativ wenig gärtnerisches Eingreifen erfordern.

Permakultur kann ganz unterschiedlich definiert werden. Dabei geht es immer darum, mit und nicht gegen die Natur zu arbeiten, indem wir uns den Gegebenheiten vor Ort anpassen, in Kreisläufen denken, die Natur beobachten und unterstützen. Mathias Semling nennt die Permakultur eine Methode zur Lösung von Problemen der Neuzeit. Besonders inspiriert ihn das Prinzip, Ressourcenüberschüsse sinnvoll zu nutzen.

Wie das geht, demonstriert der kleine Waldgarten links vom Haupteingang. Als Mathias Semling begann, waren die Berge von Laub im Hof und auf dem Gelände ein solcher Ressourcenüberschuss. Was tun mit so vielen Blättern? Sie wurden für den 6 mal 12 Meter großen Waldgarten zu einer festen Schicht gestampft, die soweit als Wasserbarriere wirkte, dass die Sandschicht darüber gut feucht blieb. Anschließend wurde noch Kompost und Obstmost, der vom Apfelpressen übrig war, aufgeschichtet, darüber kam noch ein Schicht Erde gemischt mit Kompost.

Waldgarten mit Wildkräutern

Ein Waldgarten ist ein typisches Permakultur-Biotop
Der Waldgarten an der Alten Mu.

Heute wachsen im idyllischen Waldgarten zwischen Obstbäumen und Sträuchern auch Blumen und Wildkräuter wie Akelei, Nachtviolen, Pfefferminze, Vergissmeinnicht und Beinwell. Ein kleines Feld von gelb-blühendem Hahnenfuss und ein Löwenzahn als Solitärpflanze sind auch dabei. Gartenkundige wundern sich vielleicht über die letztgenannten Pflanzen. Sind das nicht Unkräuter? Ja, aber -so Mathias Semling – eingedämmt haben sie in der Permakultur auch ihren Wert und Platz. Giersch und Ackerwinde werden allerdings konsequent entfernt, sie würden alles überwuchern und dann wäre es mit der gewünschten Biodiversität dahin.

Im Waldgarten ist der Boden ganz bedeckt, überhaupt wird nackte Erde in der Permakultur vermieden. Die Pflanzen haben unterschiedliche Wurzeltiefen und beschatten den Boden, sodass nur bei anhaltender Trockenheit gegossen werden muss. Schnecken sind hier kein Problem. Die Böden sind organisch und fruchtbar, die Pflanzen finden gute Bedingungen vor, was sie Schädlingen gegenüber resistent macht.

Mathias Semling lernt Permakultur

Mathias Semling absolvierte eine Ausbildung als Gärtner im Botanischen Garten. Nach der Ausbildung schloss sich 2012 ein Kurs in Permakultur Design in Hamburg an. Seit fünf Jahren macht er die Ausbildung zum Permakultur Designer am Berliner Permakultur Institut. Im Rahmen dieser Ausbildung entwickelt er zehn Permakulturprojekte und dokumentiert den Lernweg inklusive der Fehler, aus denen er gelernt hat. Permakultur Design ist übrigens nicht auf den Gartenbereich beschränkt. Auch ein Finanzsystem, eine soziale Gruppe oder eine zu entwickelnde Fläche kann nach den Prinzipien der Permakultur entwickelt werden.

Zu den Biotopen an der Alten Mu gehört die Benjeshecke als Windbrecher am Lehmofen, die Wärmefalle im Hof, die Insektenhotels und viele andere kleinere Beete. Ganz klein aber sehr fruchtbar sind die Kästen mit Terra Preta, einer Komposterde , die mit Effektiven Mikororganismen und Holzkohle nach einem bestimmten Verfahren angereichert wird. Auf der Kräuterspirale wachsen Ysop, Basilikum, verschiedene Thymiansorten, Salbei, Schnittlauch. Die Steine speichern die Wärme und die Aufschichtung garantiert eine gute Durchlässigkeit des Bodens. Es lohnt sich , einen Rundgang zu machen um alle Elemente des Gartens zu betrachten. Dabei gelingt nicht jedes Experiment, aber aus den Fehlern lernen, gehört zur Permakultur dazu.

Die Gartenanlagen sind Teil des größeren Systems Alte Mu. Salate, Tomaten, Kräuter, Mangold werden in der Mensa genutzt. Der grüne Abfall landet in den riesigen Kompostmieten, die die Grundlage für weitere Gartenprojekte bilden. Alles ist im Kreislauf.

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