Kiel wächst fast nicht mehr, ein Kommentar

Die Kieler Nachrichten titelten zwar “Neuer Rekord mit alten Sorgen” (KN 10. Januar 2018 S. 25) in Bezug auf die Einwohnerzahl. Aber tatsächlich ist Kiel weit entfernt von einem Einwohnerrekord. Zur Erinnerung: Im Jahr 1961 hatte Kiel eine Einwohnerzahl von 272.000! Ende 2017 waren es nur 249.190. Es hat zwar in den letzten Jahren ein Bevölkerungswachstum gegeben, aber dieses Wachstum könnte schon wieder zu Ende sein. Im letzten Jahr wuchs die Bevölkerung nur um 167 Personen!

Quelle: statistische Kurzinformationen Nr. 316, Kiel

Ist eine wachsende Stadt überhaupt wünschenswert?

Die KN zitiert OB Ulf Kämpfer mit den Worten: “Wachstum setzt neuen Wohnraum voraus. “ Aber ist es sinnvoll, Bevölkerungswachstum zu stimulieren indem man Wohnungen baut? Wenn ich Leute frage, was sie an Kiel mögen, nennen die meisten Kiels optimale Größe . Kiel hat alles, was eine Großstadt braucht: Oper, Theater, Konzertsaal, Kinos, Krankenhäuser, eine Auswahl an Schulen, auch eine Waldorfschule und eine Club of Rome Schule, Kaufhäuser, Ikea und noch viel mehr. Und gleichzeitig hat Kiel eine überschaubare Größe. Man kommt ins Grüne oder an den Strand, und man kann das kulturelle Angebot oft sogar per Fahrrad nutzen. (Berliner und Hamburger sagen mir dagegen oft, dass sie das kulturelle Angebot ihrer Stadt  gar nicht nutzen, weil die Wege zu weit sind!) Bevölkerungswachstum mindert  die tolle Lebensqualität von Kiel . Der Druck auf die Infrastruktur nimmt zu , denn die Neukieler wollen auch Auto fahren, parken, brauchen Kitaplätze für ihre Kinder und müssen eventuell mal ins Krankenhaus. Gleichzeitig wird die Innenstadt durch Nachverdichtung unwohnlicher, und an den Rändern entstehen neue Vororte. Allein für Meimersdorf sind 1600 Wohneinheiten geplant.

Entspannt sich der Wohnungsmarkt durch zusätzlichen Wohnraum?

Nur teilweise. In Kiel geht jeder zweite neue Arbeitsplatz an Auswärtige. Das bedeutet , es würde auch etwa jede zweite neue Wohnung an Auswärtige gehen. Der Effekt für die KielerInnen, die schon hier sind, wäre also nicht so groß.

Die neuen Kieler der vergangenen Jahre sind  größtenteils Geflüchtete oder Osteuropäer, die zum Teil sehr beengt wohnen. Viele finden Arbeit auf dem Bau, wo sie die Häuser bauen, in denen sie selber erst einmal nicht wohnen werden. Denn ein zusätzliches Problem ist die Art von Wohnraum, die zur Zeit geschaffen wird. Ob Schlossquartier oder Hopfenstraße, es entsteht an vielen Ecken eher teurer Wohnraum. Was fehlt ist tatsächlich der soziale Wohnungsbau. Aber auch sozialer Wohnungsbau würde mehr Menschen nach Kiel anziehen und somit würde auch neu geschaffener günstiger Wohnraum zu den oben skizzierten Problemen führen!

Es gab 2017 innerhalb von Kiel 19.584 Umzüge. Das ist ein Indiz, dass es doch noch verfügbaren Wohnraum gibt, denn ohne Leerstände wären Umzüge nur durch Wohnungstausch zu realisieren.

Gut aufbereitete Statistiken finden sich unter: www.kiel.de/statistik

Sehr inspirierend finde ich zur Zeit das Buch: “Verbietet das Bauen – eine Streitschrift” von Daniel Fuhrhop. ISBN 978-3-86581-733-4

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