Kiel – ein Jahr Klimaschutz Masterplan


Allgemein, Themen / 12. Juli 2017

Ein Kurzbericht der Ergebnisse des Masterplan 100 Prozent Klimaschutz liegt vor. Seit Oktober 2016 wurden in einer Reihe von Workshops sondiert, ob Kiel das Ziel erreichen kann, bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 95 % zu senken und den Endenergieverbrauch zu halbieren, jeweils im Vergleich zu 1990.

Das Ergebnis: Es ist theoretisch möglich, die Treibhausgase um 95 % zu senken. Beim Endenergieverbrauch wird lediglich eine Reduktion von 44 Prozent für machbar gehalten.

Einige Zahlen:

  • 2014 wurden in Kiel 4.661 GWh Endenergie verbraucht
  • 28 % fielen auf den Verkehr
  • 25% auf Gewerbe, Handel, Dienstleistung (GHD)
  • 37% auf Haushalte
  • 7% auf Industrie
  • 3%  auf die  Kommune

Insgesamt sind das acht Prozent weniger als 1990

Die Menge Treibhausgasemissionen beträgt 1.920.000 t CO2Äq. Die Aufteilung ist ähnlich wie beim Endenergieverbrauch. Größter Block mit 36% wiederum die Haushalte. Die Emissionen liegen um 15 Prozent unter dem Wert von 1990.

Durch Business as usual würde der Endenergieverbrauch weiter fallen, aber lediglich um zwölf Prozent. Angestrebt werden aber 50 Prozent. Sehr viel besser sieht es bei den Emissionen aus. Allein durch die Inbetriebnahme des Gasmotorenkraftwerks werden die Emissionen um 46 Prozent sinken! Angestrebt werden 95 Prozent.

So würde das Leben in Kiel aussehen, wenn alle Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele umgesetzt würden:

  • Alle Gebäude wären energetisch saniert.
  • Die KielerInnen würden in kleineren, kühleren Wohnungen leben.
  • Sie würden sich fleischarm, saisonal und regional ernähren
  • Sie würden auf Flugreisen verzichten
  • Sie würden Fahrrad oder Elektroauto fahren
  • Es würden weniger Autos auf den Straßen sein

Für die Umsetzung ist es sehr wichtig, dass die KielerInnen sich mit diesen Zielen identifizieren, da die Umsetzung nicht von der Ratsversammlung erzwungen werden wird bzw kann. Eine besondere Rolle spielen hier die Menschen, die zur “kritischen Masse” gehören. Das ist ein Begriff aus der Soziologie, der besagt, dass viele neue Verhaltensweisen erst von “innovators”, den Erneuerern begonnen werden, dann von den “early adopters” übernommen werden, und dann so nach und nach die anderen mitziehen, bis auf die Gruppe der Traditionalisten, die sich am anderen Ende des Spektrums der Veränderung widersetzen und das Alte bewahren. Anna Muche , eine der Masterplanerinnen, sagte auf einer Veranstaltung ganz klar, nur wenn ein Klima der Begeisterung für den Klimaschutz in Kiel entsteht, wird sich eine Dynamik zur Umsetzung dieses Konzepts entwickeln..

Den größten Einfluss hat die Politik auf den Verkehr. Maßnahmen , die der Masterplan empfiehlt :

  • absolute Prioriät für Fahrradwege
  • sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, auch für Lastenfahrräder
  • Parkraumverknappung
  • gutes Netz von Ladestationen für Pedelecs und Elektroautos
  • Lockerung der Regel, dass Neubauten Stellplätze vorhalten müssen. ( Im Grunde ist das auch eine Form der Parkraumverknappung)
  • Starke Busverbindungen für Neubaugebiete

An diesen Beispielen zeigt sich aber auch schon, wie schwierig es in einer Demokratie sein kann, den Klimaschutz umzusetzen. Politiker müssen gewählt werden, und das Wahlversprechen, Parkplätze zu verknappen, könnte bei den WählerInnen eher Verärgerung als Zustimmung auslösen.

Der öffentliche Besitz macht nur einen Anteil am Energieverbauch und den Treibhausemissionen im einstelligen Prozentbereich aus. Aber hier kann die Politik direkt aktiv werden und beispielsweise alle Beleuchtungen und Ampeln auf LED umstellen, Gebäude sanieren und auf klimaverträgliche Mobilität der Mitarbeiter achten.

Was den Prozess erschweren wird, ist nicht nur, dass er freiwillig umgesetzt werden muss, sondern auch das prognostizierte Wachstum der Stadt. Bis 2050 soll der Bestand an Wohnungen um 25% steigen! Damit die Klimaziele unter diesen Bedingungen noch gelingen können, sollten Neubauten eine sehr gute Energieeffizienz aufweisen.

Zu den energetischen Sanierungsmaßnahmen, die der Masterplan empfiehlt, gehören:

  • Dämmung
  • neue Fenster
  • Optimierung der Heizungspumpen
  • letztlich auch energiesparendes Verhalten und richtiges Lüften
  • weniger Quadratmeter pro Person
  • Elektrogeräte mit der Energieeffizienz A++ oder A+++

Die Ernährung spielt für den Klimaschutz eine große Rolle. Wer von einer fleischlastigen Ernährung auf eine fleischarme Ernährung umstellt , spart dadurch schon 30 Prozent an schädlichen Emissionen ein.

Im weiteren Verlauf des Masterplan-Prozess wird es darum gehen, zu informieren und zu motivieren.

Die 70-seitige Kurzversion des Berichts ist gut gegliedert und verständlich geschrieben.  Der Bericht ist auf jeden Fall ein Referenzwerk, das erst einmal Klarheit schafft über die Problematik und die Lösungsmöglichkeiten. Dieses erste Jahr galt der Bestandsaufnahme und Ideensammlung. Es folgen drei Jahre, die sich mit der Umsetzung befassen. Über die einzelnen Workshops werde ich auch noch berichten. Die Protokolle ansonsten hier.

 

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