Alte Mu möchte Wohnen und Arbeiten verbinden


Allgemein, Stadtteile, Themen / 12. April 2017

Einige kennen den Gebäudekomplex rund um einen vielfältig genutzten Innenhof am Lorentzendamm in Kiel noch als alte Muthesius Kunsthochschule.  Hier ist ein kreatives Zentrum für nachhaltige Projekte entstanden. Das Kernthema der Alten Mu für dieses Jahr ist kreatives Wohnen. „Grenzen zwischen Kultur und Arbeit sollen selbstbestimmt verknüpfbar sein.“ Die Vision der Alten Mu sieht Wohngemeinschaften vor, die Ateliers, Gemeinschaftsräume und Wohnräume verbinden. Im Grunde ein altes Konzept aus dem bäuerlichen Leben vergangener Zeiten, das hier wieder aufgegriffen und mit neuem Leben erfüllt wird. Die vielen Initiativen der Alten Mu zeigen, dass nachhaltiges Leben auch Spaß machen kann, wenn es innovative Formen des Teilens gibt wie den Umsonstladen , die offene Holzwerkstatt oder das Coworkingbüro .

Der zukünftige Wohnort Alte Mu möchte höchsten ökologischen Ansprüchen genügen. Neben einer effizienten Raumnutzung wird auch nachgedacht über Komposttoiletten, Selbstversorgung, Recycling vor Ort, regenerative Energie und natürlich ökologische Baumaterialien.

Von Mai 2017 bis Mai 2018 plant die Alte Mu eine Reihe von öffentlichen Vorträgen über neue Formen des Zusammenlebens und der dazu notwendigen Architektur. Zu diesen Vorträgen werden auch Kieler Architekt*innen und Politiker*innen eingeladen. Ziel ist es, die Vision der Alten Mu in Kiel bekannter zu machen.

Im Planungsbüro kleben Zettel an einer Tafel mit den Begriffen Quartiersentwicklung, Architektur, Klima, Mobilität, Finanzen. Entlang dieser Themen entwickelt sich die konkrete Planung. Immer geht es auch um die Frage, was wollen wir teilen, und was eher nicht. Fahrrad verleihen ja, Zahnbürste auf keinen Fall. Von diesen Überlegungen ausgehend werden die Wohnräume konzipiert um eine gute Flächeneffizienz hinzubekommen. Geplant sind 320 Individualräume in einer Größe von zwischen 9 und 20 qm. Da wird es Rückzugsräume geben , aber auch gemeinschaftliche genutzte Küchen oder Ateliers. Wichtig ist auch die Möglichkeit, Raumnutzungen flexibel ändern zu können.

Beeindruckend ist das für 27.000 Euro und mit viel Eigenleistung ausgebaute Kopfgebäude. Fotostudio, Mediendesign, Möbeldesign, Raumstrategie, Buchbinderei, eine Erdmanufaktur, das sind nur einige der Startups, die sich hier niedergelassen haben. Zur Zeit arbeiten 120 Menschen in der Alten Mu in 59 Projekten, von denen 47 ihren eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften.

Die Alte Mu, dieses kreative Dorf im Herzen Kiels möchte schon seit Längerem die Liegenschaft erwerben und als kreativen Standort sichern. Zu diesem Zweck soll eine Genossenschaft gegründet werden. Zur Zeit verhandelt der Vorstand mit der Stiftung Trias über eine Zusammenarbeit. Trias ist eine gemeinnützige Stiftung “für Boden, Ökologie und Wohnen”, die u.a. soziale und ökologische Wohnprojekte unterstützt. Die Alte Mu hätte dann eine erfahrene Partnerin an ihrer Seite.

Die Alte Mu hat noch für anderthalb Jahre Planungssicherheit durch einen Mietvertrag. In diesem Zeitraum gilt es, noch einige Hürden zu überwinden . Die Finanzierung des Kaufpreises ist nur das eine Problem. Der jetzige Besitzer, das Land Schleswig—Holstein muss auch davon überzeugt werden, dass die Alte Mu ein Gewinn für ganz Kiel ist und vor allem junge Leute nach dem Studium hier halten könnte .

Alte Mu, Lorentzendamm 6-8

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