Off the grid


Allgemein, Stadtteile, Themen / 22. Juni 2016

In Kiel gibt es eine Siedlung, die komplett „off the grid“, also ohne Anschluss an das öffentliche Strom- , Wasser- und Gasnetz lebt. Auch ohne befestigte Straßen, da es sich um Kleingärten handelt. Es ist ein beschwerliches Leben, das die etwa 50 Bewohner führen.

Das Wasser muss aus dem Wasserhaus geholt werden. Es ist eine Art neuzeitlicher Gang zum Brunnen. Immerhin ist das eine Verbesserung gegenüber den Anfängen. Bis vor zwanzig Jahren befüllten die Siedler noch ihre Wasserkanister an einer Tankstelle . Die meisten der Bauwagen, Zelte und Lauben bekommen etwas Strom für elektrisches Licht durch Solar-Paneele oder einem Windrad.

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Strom für etwas Licht

Ich fragte Herrn J. , ob es nicht fürchterlich kalt wäre im Winter. Nein, wenn sein Holzofen bullert, würde es richtig warm in der Bude, sagte er.

Hier leben freiwillige Aussteiger, aber auch Menschen, die mit der Komplexität des modernen Lebens nicht klar kommen. Es ist ein feiner Zug der Stadt Kiel, diese einfache Lebensweise zu dulden.

Dieses Ökodorf ist gut versteckt. Passanten signalisieren mir immer wieder, ich wäre nah dran – nur noch 200 Meter, noch 300 Meter, hier über die Brücke, dort über die Wiese – tatsächlich irre ich kilometerweit in der Gegend herum, bevor ich endlich vor einem Zaun mit vielen Briefkästen stehe.

Als ich hier vor langer Zeit einmal in netter Gesellschaft auf einem Konzert war, kam mir die Siedlung richtig Hobbit-mäßig vor. Aber jetzt, wo ich das Ganze nüchtern, allein und bei Tageslicht betrachte, erscheinen mir die überwiegend verwilderten Gärten und ärmlichen Behausungen doch ziemlich trostlos und auch sehr menschenleer.

Wenigstens sind die Wege frei und die Festival-Wiese ist gemäht. Im gerade geschlossenen Vereinshaus sehe ich lebende Pflanzen auf der Fensterbank.

Eigentlich bin ich eine eher unerschrockene Person, aber während ich herum laufe und fotografiere, fühle ich mich nicht wohl und habe sogar etwas Angst. Wahrscheinlich unbegründet, dennoch möchte ich vor einsamen Spaziergängen warnen. Die wenigen Menschen (Männer) , denen ich begegne, sind wortkarg. Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die auch nicht gestört werden möchte.

Die Bewohner wünschen  keine Internetpräsenz. Deshalb nenne ich keine Adresse.  Hin- und wieder scheint es aber noch ein Konzert zu geben, also ist es nicht ganz geheim!

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