Wie grün bleibt Kiel?

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Am 15. Januar lud die Stadt Kiel zu einer Diskussion zum Thema „Kleingärten mit Zukunft“ ein. Konkret ging es um das Kleingärten-Entwicklungskonzept (KEK) , das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Seit einem Jahr haben Maria Julius (TGP – Trüper Gondesen Partner, Lübeck) und Dr. Ute Fischer-Gäde (Fischer Kommunikation, Rostock) daran gearbeitet. Zunächst wurde der Bestand aufgenommen (Anzahl und Größe der Parzellen, Leerstände etc) . Sie führten Gespräche mit der Verwaltung, den Ortsbeiräten und den Vorständen der Kleingärten. Parallel dazu gab es Bürgerbeteiligung in Form einiger Talk-Walks und Gartentischgesprächen. Eine Fragebogenaktion hatte einen guten Rücklauf. Die Ergebnisse werden demnächst auf den Gartenforen (Termine am Ende des Artikels) bekannt gegeben. Vorab gab es nur diese Information: Es wurden 10 182 Parzellen in 226 Anlagen gezählt. Dabei sind nur 20 Prozent der Parzellen rechtlich abgesichert. Die restlichen 80 Prozent sind Reservefläche, die von der Stadt auch umgewidmet oder verkauft werden können, wie im Fall des Prüner Schlags geschehen.

Was sind die Ziele des KEK? Die Planerinnen nannten den Klimaschutz, die Versorgung der Stadt mit Frischluft, die Naherholung und die bedarfsgerechte Versorgung mit Gärten. Außerdem möchten sie das Image der Kleingärten aufpolieren und die Wertschätzung des Grüngürtels in der Bevölkerung stärken.

Bürgeimeister Todeskino äußerte sich in anderer Richtung. Er wünscht sich dieses Konzept, damit klar ist, wo gebaut werden kann, und sich so der Stress für die Politik mindert. Er sagte, es würden in den nächsten zehn Jahren 2,6 Hektar zusätzliche Fläche für Gewerbe jährlich benötigt werden. (Wenn mir jemand erklären könnte, wie diese Zahl zustande kommt, wäre ich dankbar.) Todeskino räumte aber ein, dass der Druck momentan nicht so groß wäre, da viele Flächen gerade freiwerden.

Der Ratssaal war gut gefüllt, und in der Diskussion gab es keine Zurückhaltung. Antworten auf die Fragen gab ein Panel zu dem neben Todeskino , und den Planerinnen Julius und Fischer-Gäde noch die gartenpolitischen Sprecher der Fraktionen und der Vorstand des Kreisverbands der Kleingartenvereine gehörte.

Viele Fragen drückten die Sorge aus, dass Grünflächen aufgegeben werden könnten. Bürgermeister Todeskino bestätigte, dass es einen Nutzungskonflikt zwichen Grünflächen einerseits und Wohnen, Gewerbe und Verkehr andererseits gäbe. Weiter konnte er sich hier nicht festlegen.

Eine Pächterin erzähle, wie schwierig es für sie war, einen freien Garten zu finden. Sie wünschte sich eine bessere Ausweisung von leerstehenden Gärten. Es haben noch nicht alle Vereine eine Internetpräsenz aufgebaut.

Der Vorstand des Kleingartenvereins Friedrichsort wehrte sich gegen die Klage, nur Alte würden noch pachten. In seinem Verein sei das Durchschnittsalter nur 52 Jahre. In den letzten Jahren seien viele junge Familien gekommen Außerdem würden die Kinder und Enkel der älteren Pächter oft in in die Gärten kommen, und so gesehen ist das Alter der Pächter gewissermaßen irrelevant was den Personenkreis der Nutzer anbetrifft.

Es entstand eine Diskussion über die Regeln des Kleingärtnerns, das etliche nicht mehr als zeitgemäß empfanden. Von der Bevölkerung nicht zu ändern ist das Bundeskleingartengesetz von 1956. Über dieses Gesetz hinausgehend, hat sich die Stadt Kiel eine Gartenordnung gegeben, und die Vereine können sich weitere Regeln geben, die zum Teil auch absurd sind. Eine Person erzählte, dass sie in ihrem Verein streng genommen keine Kartoffeln anbauen dürfte. Die Frage stellte sich, inwieweit man auf diese über das Bundeskleingartengesetz hinausgehende Regelwerke einwirken kann. (Mir persönlich stellt sich auch die Frage, wie streng die Stadt das BKG-Gesetz durchsetzen muss.)

Einige Fragen bezogen sich auf die Nutzungsmöglichkeiten von Leuten, die keine Pächter sind. Frau Fischer-Gäde beschrieb viele Ideen für neue Nutzungsmöglickeiten, z.B. Erholungsräume für Berufstätige, bessere Wege für Jogger, Urban Gardening Konzepte. Sie appellierte an die Anwesenden, die kommenden Termine bekannt zu machen, auf dass noch weitere gute Vorschläge kämen.

Etliche Fragen bezogen sich auf die Verbindlichkeit der Vorschläge aus dem Beteiligungsprozess, wozu auch diese Veranstaltung zählt. Antwort: Am Ende des Prozesses entscheidet der Stadtrat. Der Beteiligungsprozess dient der Ideenfindung und der Identitätsstiftung.

Die unverpachtbaren Gärten kamen zur Sprache. Sie stellen für die Vereine eine finanzielle Belastung dar, weil für alle, auch die nicht-verpachteten Gärten , Pacht ( letztendlich an die Stadt) abgeführt werden muss. Unverpachtbar sind Parzellen, die an Bahntrassen oder befahrenen Straßen liegen, die sehr feucht oder schattig geworden sind. Der Verkehr und die Bebauung haben zugenommen , und dadurch hat sich die Qualität bestimmter Parzellen verschlechtert. Eine Person aus dem Publikum schlug vor, diese unverpachtbaren Gärten als Ausgleichsflächen zu deklarieren, da die Stadt ja mittlerweise gezwungen ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsflächen weit außerhalb der Stadt auszuweisen.

Ein Frager regte an, die kompletten Datensätze der Untersuchung, nicht nur ihre Auswertung, ins Netz zu stellen, da es in Kiel genug Menschen mit den entsprechenden Kenntnissen gäbe, um die Rohdaten zu interpretieren.

Eine sehr interessante Frage betraf die Kriterien zur Bewertung von einzelnen Gärten und Anlagen. Frau Julius bezeichnete solche Gärten als besonders wertvoll, die innerhalb des Grüngürtels liegen, oder nah an Radwegen, Altersheimen, Spielplätzen oder Kindergärten liegen.

Wie geht es weiter?

Die Egebnisse der Erhebung werden in vier Gartenforen vorgestellt

GARTENFOREN:

KIEL-NORD
Mittwoch, 18. Februar 2015
18 – 20 Uhr
Mensa der Fritz-Reuter-Schule
Fritz-Reuter-Str. 79-85
(Hier geht es um die Kleigärtenflächen in Schilksee, Pries/Friedrichsort und Holtenau.)

KIEL-SÜD
Donnerstag, 19. Februar 2015
18 – 20 Uhr
Johanna-Mestorf-Schule
Lütt Steenbusch 41
(für Russee/ Hammer/ Demühlen, Hassee/ Vieburg, Meimersdorf/ Moorsee, Wellsee(/Kronsburg/ Rönne)

KIEL-MITTE/ WEST
Dienstag, 24. Februar 2015
18 – 20 Uhr
Rathaus, Ratsaal
Fleethörn 9
(für Steenbeck/ Projensdorf, Suchsdorf, Wik, Ravensberg/ Brunswik/ Düsternbrook, Schreventeich/ Hasseldieksdamm, Mettenhof und Mitte)

KIEL-OST
Mittwoch, 25. Februar 2015
18 – 20 Uhr
Mensa des RBZ Technik
Geschwister-Scholl-Str. 9
(für Elmschenhagen/ Kroog, Gaarden, Ellerbek/ Wellingdorf, und Neumühlen-Dietrichsdorf/ Oppendorf)

Es folgen:

Fachtagung: Urbanes Gartenwesen

Ideenwerkstatt zur Konzeptentwicklung (im Open Space Verfahren)

Öffentliche Stadtteilforen zum Konzeptentwurf

Im Winter 2015/16 soll der Stadtrat über das Konzept entscheiden.

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