MFG5-Gelände: Fahrplan für die weiteren Verhandlungen
Am gestrigen Abend stellten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Flotillenadmiral Christian Walter Meyer in der Halle 400 die vorläufigen Ergebnisse der Gespräche zwischen Stadt und Bund vor. Diese sind in einem Letter of Intent festgehalten, der wenige Stunden zuvor unterzeichnet wurde. Der Letter of Intent ist eine politische Absichtserklärung ohne rechtliche Bindung und bildet die Grundlage für die nun folgenden Verhandlungen. „Es ist noch alles offen“, betonte der scheidende Oberbürgermeister. Zwar hat er die Gespräche für die Stadt geführt, doch die endgültige Entscheidung liegt bei der Ratsversammlung. Kämpfer hofft, dass diese in den kommenden Monaten getroffen werden kann.
Kernpunkt des Letter of Intent: Ein groß angelegter Grundstückstausch
Auf dem MFG5-Gelände war ursprünglich ein neuer Stadtteil unter dem Arbeitstitel Holtenau-Ost geplant – mit 2.250 Wohnungen und 20 Hektar Gewerbefläche. Im Rahmen des Tauschgeschäfts würde Kiel stattdessen verschiedene Bundesflächen erhalten, auf denen insgesamt bis zu 3.000 Wohnungen entstehen könnten.
Etwa ein Drittel des bisherigen Sanierungsgebietes Holtenau-Ost bliebe weiterhin im Besitz der Stadt. Dort könnten rund 700 Wohnungen in einem gemischt genutzten Quartier entstehen. Die übrigen Flächen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Die wichtigsten Standorte:
- Truppenküche in der Wik: ca. 105 Wohneinheiten
- Flughafen Süd: ca. 350 Wohneinheiten
- Bundeswehrverwaltungszentrum Feldstraße: ca. 325 Wohneinheiten
- Edouard-Adler-Kaserne: ca. 270 Wohneinheiten
- Max-Rubner-Institut im Schützenpark: ca. 150 Wohneinheiten
- Ackerland in Meimersdorf: ca. 350 Wohneinheiten zusätzlich zu den bereits geplanten Wohnungen in der Meimersdorfer Höhe; das Land plant hier zudem eine S-Bahn-Haltestelle
Die Grafik zeigt die Kompensations-Grundstücke:

Für die Durchwegung sieht der Letter of Intent westlich des Geländes eine Trasse für die Stadtbahn sowie für Rad- und Fußverkehr vor.
Auch für die ursprünglich vorgesehenen 20 Hektar Gewerbefläche auf dem MFG5-Gelände wurden mögliche Ersatzflächen identifiziert:
- Scheidekoppel (Schilksee): Ackerland
- StrandOrt: ca. 7 Hektar
- Interkommunales Gewerbegebiet Heikendorf: ca. 18 Hektar
- Flächen im Kieler Süden an der A21: ca. 20 Hektar
Warum möchte die Marine das MFG5-Gelände zurückkaufen?
Flotillenadmiral Meyer erläuterte, dass das Seebataillon, derzeit auf drei Standorte verteilt, in Kiel zusammengeführt werden könnte. Es soll personell und materiell aufwachsen und neue Aufgaben übernehmen. Kiel habe als Tiefwasserhafen eine erhebliche strategische Bedeutung; einen alternativen Standort sehe er nicht. Das Training soll teils im Kasernement, teils in Putlos stattfinden. Ein Sperrgebiet auf der Förde werde dafür nicht benötigt.
Zur Geschichte des Areals: Das Gelände war rund 100 Jahre lang Standort des Marinefliegergeschwaders 5 – daher der Name. Im Dezember 2020 kaufte die Stadt Kiel das Areal für 30 Millionen Euro zurück. Aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage bekundete die Marine im Sommer 2025 erneut Kaufinteresse.
Alternative: Nein sagen?
Im Anschluss an die Präsentationen konnten Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Eine davon betraf die Möglichkeit, die Verhandlungen abzubrechen, was immer noch möglich ist.
Kämpfer erklärte, dass die Bundeswehr in diesem Fall eine Enteignung anstreben könnte. Zudem erinnerte er an die Problematik rund um den Tonnenhof: Die Planungen für Holtenau-Ost lagen schon lange auf Eis, weil der Tonnenhof nicht wie vorgesehen an den Plüschowhafen verlegt werden konnte. Der Tonnenhof gehört dem Bund und verfügt über „besondere Emissionsrechte“, darf also laut sein. Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe wäre aus Lärmschutzgründen ausgeschlossen. Kämpfer wies darauf hin, dass der Bund den Tonnenhof als Druckmittel hätte nutzen können, indem er keinen alternativen Standort anbietet. Auch ohne Enteignung wäre dann keine Wohnbebauung möglich gewesen. Auch vor diesem Hintergrund hielt er Verhandlungen für die sinnvollere Option.
Viele Fragen bleiben offen
Kiel hat bereits Millionen in die Planungen investiert. Zudem müssen 20 Millionen Euro an Städtebauförderung an das Land Schleswig-Holstein zurückgezahlt werden. Die nun beginnenden Verhandlungen werden anspruchsvoll bleiben.
Weiterlesen?
Sehr gutes Kartenmaterial findet ihr hier: kiel.de/Standortdialog
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