Abstimmung über Bewerbung als Olympiastandort

Bewerbung für Olympia in Kiel: Jo oder Nö?

Am 19. April dürfen Kieler ab 16 Jahren über eine Olympiabewerbung Kiels abstimmen. Briefwahl ist bereits möglich; außerdem kann direkt im Rathaus, im Vinetazentrum in Gaarden oder in der Stadtteilbücherei Pries/Friedrichsort abgestimmt werden.

Es geht um Kiel als Satelliten-Standort, vor allem für die Segelwettbewerbe. Aber auch weitere Wassersportarten und sogar Rugby und Handball sind im Gespräch. Die möglichen Austragungsjahre sind 2036, 2040 oder 2044. Die deutschen Bewerber für die Hauptspiele sind Hamburg, Rhein-Ruhr, Berlin und München. Hamburg hat sich auf Kiel als Wunschpartner festgelegt, Berlin auf Rostock. Die möglichen Austragungsorte für die Segelwettbewerbe sind Kiel und Rostock, wobei sich Rostock ohne Bürgerentscheid schon beworben hat. Ob sich Kiel bewirbt, hängt vom Votum der Bürger ab.

Was ist geplant?

  • Das Olympiazentrum müsste saniert werden. Kostenschätzung der Verwaltung: 10 bis 15 Millionen Euro.
  • Bau eines olympischen Dorfes zwischen Schilksee und Strande.
  • Eventuell eine neue Bootshalle (10 Millionen Euro)
  • Eventuell Investitionen in den ÖPNV, Digitalisierung und andere Sportstätten.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Pläne noch sehr vage. Ein Teil der Kosten würde eventuell von Bund oder Land getragen werden. Es gibt keine Schätzung der Gesamtkosten.

Die Fraktion „JO!“

Als Befürworter einer Kieler Bewerbung haben sich die Verwaltung und die IHK positioniert. Ihre wichtigsten Argumente und Hoffnungen:

  • Kiel „kann“ Segelwettbewerbe, das beweisen u.a. die jährlich stattfindenden Regatten zur Kieler Woche, die Teilnahme am Ocean Race und auch die Tatsache, dass Kiel schon zwei mal Olympiastandort war.
  • Das olympische Dorf zwischen Schilksee und Strande kann nach den Spielen als Wohnraum weiter genutzt werden.
  • Sie erwarten Investitionen in den ÖNPV, in andere Sportstätten und in Digitalisierung.
  • Kiel als Standort wäre relativ nachhaltig, weil das Olympiazentrum lediglich saniert, nicht neu gebaut werden müsste.
  • Ein höherer Bekanntheitsgrad könnte touristische und wirtschaftliche Impulse bringen.

Die Fraktion „NÖ!“ / #Nolympia

Vor allem Die Linke Kiel aber auch die BUND Kreisgruppe Kiel warnen vor den finanziellen und ökologischen Risiken einer Austragung der Spiele in Kiel wobei die Argumente genereller Natur sind.

  • Sie erwarten hohe Kosten.
  • Sie glauben, es würde eher weniger als mehr Geld für Mobilität ausgegeben werden!
  • Sie bezeifeln den langfristigen wirtschaftlichen oder touristischen Nutzen. In Paris sollen die Übernachtungen sogar gesunken sein.
  • Lokale Läden hätten keinen Vorteil von Olympia, weil nur vom IOC zugelassene Firmen beim Verkauf und Sponsoring zugelassen wären.
  • Die Sicherheitsmaßnahmen würden die Freiheit der Kieler während der Spiele einschränken.
  • Durch Neubau würden Flächen versiegelt und Lebensräume von Tieren zerstört.
  • Sie erwarten steigende Mieten.

Sehr lesenswert ist die Argumentation der LHKiel auf kiel.de, die sehr differenziert den Kritikpunkten begegnet und sie teilweise sogar bestätigt.

Die Kostenfrage

Viel Uneinigkeit in den Einschätzungen betrifft die Frage, wer was bezahlt. Die Verwaltung schreibt dazu: „Für die derzeit noch nicht konkret bezifferbaren Ausgaben, werden zudem verschiedene Akteur*innen aufkommen, u.a. Stadt, Land, Bund sowie die regionale Wirtschaft.“ Unklar bleibt, ob zusätzliche Mittel nach Kiel fließen oder ob Gelder aus anderen Bereichen – etwa der Schulsanierung – abgezogen werden müssen.

Auch noch unklar ist, was überhaupt finanziert werden müsste. „Die Stadt weist selbst darauf hin, dass bestimmte Ausgaben derzeit noch nicht abschließend bezifferbar sind, da sie vom endgültigen Konzept der ausgewählten Gastgeberstadt und von Vereinbarungen mit übergeordneten Ebenen (Land, Bund, IOC) abhängen.“ Quelle: kiel.de

Die reinen Bewerbungskosten werden aktuell mit rund 394.000 Euro beziffert.

Und meine Meinung?

Wäre ich Kielerin, würde ich mich vermutlich enthalten. Einerseits sehe ich den olympischen Zirkus kritisch, nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch wegen der psychischen und seelischen Belastungen, die Hochleistungssport für junge Menschen mit sich bringen kann. Aber wenn sich olympische Spiele nun mal nicht verhindern lassen, macht es für mich schon Sinn, sie an Orten stattfinden lassen, die dafür schon über Infrastruktur und Erfahrung verfügen – und dazu gehört Kiel für den Segelsport zweifellos.

Weiterlesen?

Kiel.de: Kiel kann Olympia

Die Linke Kiel: Nö zu Olympia

2015 gab es eine Kostenschätzung der Stadt für Olympia

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