Drogentreff Förde-Radiologikum

Drogenszene trifft sich neben dem Förde-Radiologicum

Eine ehemalige Röntgenpraxis – jetzt im Besitz der LH Kiel – soll sich zu einem neuen Aufenthaltsort für Drogenabhängige entwicklen und dieser Ort wird tatsächlich angenommen. Die Idee dahinter: die sogenannte „Drogenszene“ vom REWE Karlstal fernzuhalten. Und es funktioniert.

Gestern war ich im Karlstal und konnte es kaum glauben: Neben dem REWE sah ich nur Passanten und einen einzelnen Biertrinker. Die Suchtkranken halten sich inzwischen gegenüber im Hof des ehemaligen Förde-Radiologicums auf. Dort saßen etwa zehn Gruppen und mehrere Einzelpersonen – im Freien oder unter einem Vordach. Eine Frau hatte sogar ein kleines Zelt aufgebaut. Der Konsum findet offen statt; ich sah Menschen, die Substanzen auf dem Löffel erhitzten. Wahrscheinlich wird auch gedealt, denn viele Personen betreten den Hof und verlassen ihn kurz darauf wieder.

Der Konsum von Drogen wird in diesem Modellprojekt geduldet, der Verkauf bleibt untersagt.

Vor dem Eingang sprach ich mit Herrn E. Er erzählte mir, dass der Hof nicht mehr abgeschlossen werde und manche die ganze Nacht dort blieben. Es sei friedlich, sagte er. Er bat mich um Kleingeld; ich gab ihm einen Euro. Danach zählte er sein Geld in der offenen Hand – es sah nach fünf Euro aus.

Das Gebäude selbst ist derzeit den Sozialarbeitern von Drogenhilfe Ost, Flexwerk und Kieler Anker vorbehalten und dient als Beratungsstelle. Für die Suchtkranken gibt es nur den Hof als Aufenthaltsort – immerhin mit einer Toilette.

Auch im Sozialausschuss war der neue Standort Thema. Bürgermeister Gerwin Stöcken berichtete, dass sich täglich rund 60 Personen dort aufhalten. „Wir gehen step by step vor, probieren aus, was geht.“

Das Ziel: den Stadtteil entlasten und den Menschen ein Stück Würde zurückgeben. Besonders das Vorhandensein einer Toilette hilft den Crack Abhängigen sehr.

Eigentlich sollte der Hof um 22 Uhr abgeschlossen werden, und zu dieser Uhrzeit endet die Verantwortung der Stadt weiterhin. Doch aktuell bleibt er nachts geöffnet, weil sich unter den Nutzern eine Art Selbstverwaltung mit nächtlichen Wachen entwickelt hat. Die Fläche wird morgens um neun Uhr von der Stadt gereinigt.

Eine frühere von der Stadt angebotene Ausweichfläche war von den Suchtkranken nicht angenommen worden. Diese neue Fläche hingegen scheint ein Erfolg zu sein – auch wenn sie noch kein offizieller Drogenkonsumraum ist. Sie ist dennoch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Gehweg neben dem REWE, von dem die Menschen immer wieder vom Kommunalen Ordnungsdienst vertrieben wurden, damit sie die Allgemeinheit nicht störten.

Offen bleibt die Frage, wie sich das Leben auf dem Hof entwickelt, wenn es im Herbst und Winter kälter wird.

Beitragsbild: Das Förde-Radiologicum, daneben der Eingang zum Hof.

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Gaardener Runde zur Drogensituation

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5 Kommentare

Maike

Wenn ich da täglich lang fahre, stehen Dutzende vor Rewe. Und nicht gegenüber

    Ursula

    Echt? Danke für deine Beobachtung. Als ich da war, waren die Drogenabhängigen tatsächlich gegenüber, ist ja auch gemütlicher dort. Aber mein Eindruck war auch nur eine Momentaufnahme-

Cordula

ich kann nur sagen, dass sich für uns Gaardener nichts geändert hat. Sie stehen weiterhin vor Rewe und dahinter

Torben

Tagsüber ist weiterhin einiges vor dem REWE los – ist ja auch logisch, weil natürlich weiterhin gebettelt wird. Aber das dort Drogen konsumiert werden, kann ich nicht bestätigen
.
Und gerade in den Abendstunden nach 22 Uhr ist das Bild aber jetzt ein deutlich anderes. Es wird nicht mehr vorm REWE rumgelungert, sondern tatsächlich verziehen sie die meisten Menschen zum Radiologicum.

Im nächsten Schritt sollte das Gebäude für die Menschen geöffnet werden, gerade wenn es draußen kalt wird.

    Ursula

    Vielen Dank für deine differenzierten Beobachtungen. Ich denk, es ist schon mal ein Vorteil für die Gaardener, wenn nicht neben dem REWE konsumiert wird, was früher der Fall war.

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