Idylle Nordmole in Gefahr
Die Nordmole in Kiel-Wik ist eine dieser stillen, verwunschenen Ecken , die Kiel liebenswürdig machen. Leider soll die Nordmole an die Marine verkauft werden, darüber verhandelt die LH Kiel mit dem Bund.
An der Nordmole befindet sich ein Stellplatz für Campingmobile, ein Museum und ein Imbiss mit großer Sonnenterrasse und Wintergarten. Entlang der Kaimauer kannst du in Strandkörben sitzen und die Aktivitäten an der Schleuse beobachten. „Hier sitzen die Rentner in der ersten Reihe“, sagte mir der Imbissbetreiber Michael Kmoch. Am Wochenende sind natürlich auch Familien und Ausflügler vor Ort und genießen bei Pommes oder Fischbrötchen die Aussicht sowie den fantastischen Blumengarten.
Michael Kmoch ist außerdem Gründer des 50-Jahre-Museums an der Nordmole: In einer Halle mit 1.600 Quadratmeter präsentiert er eine liebevolle zusammengestellte Sammlung, die das Leben im Zeitraum 1948 bis 1962 anhand von Objekten erfahrbar macht. Da gibt es den Kaufladen mit Bedientheke oder ein für die Zeit typisches Klassenzimmer. Hinter der Plattenspieler-Sammlung präsentieren sich Schallplatten von Elvis Presley oder Freddy Quinn und im Zeitschriftenständer stecken alte Bravos. Ob Gehstock oder Puppe, die älteren Semester finden hier noch Erinnerungsstücke aus der Kindheit.
Der angrenzende Scheerhafen steht ebenfalls auf der Wunschliste der Marine. Hier könnten Liegeplätze für größere Kriegsschiffe entstehen. Aktuell dient der Scheerhafen dem Umschlag von Baustoffen (wie Splitt aus Norwegen) und Öl. Es ist unklar, wo diese Aktivitäten künftig stattfinden sollen, eventuell gar nicht mehr in Kiel.
Zur Zeit verhandelt die LH Kiel mit dem Bund über einen großangelegten Grundstückstausch, wobei die Marine nicht nur das MFG5-Gelände sondern auch Grundstücke in der Wik, so auch Nordmole und Scheerhafen, erhalten soll. Grundlage der Verhandlungen ist eine Absichtserklärung, ein sogenannter Letter of Intent. Entschieden ist zwar noch nichts, aber die Zukuinft der Nordmole als Ausflugsziel steht auf dem Spiel.
Was bleibt, ist die Frage, wie viel Alltagsidylle eine Hafenstadt sich bewahren kann – und ob Orte wie die Nordmole weiterhin Raum für Begegnung, Geschichte und kleine Glücksmomente bieten dürfen.
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