Klassenzimmer in der neuen Grundschule in Kiel-Gaarden

Besuch in der neuen Grundschule Gaarden

Die neue Grundschule in Gaarden steht auf dem Gelände der ehemaligen Gaardener Schwimmhalle. Weil das Grundstück relativ klein ist, wurde das Gebäude besonders kompakt geplant. Eine kreative Lösung: Der Schulhof befindet sich auf dem Dach der Sporthalle. Innen wirkt die Schule dennoch großzügig – auch, weil viele Räume doppelt genutzt werden.

Schulleiter David Janowitz begleitete den Bau als pädagogischer Berater und führte am 24. Februar eine Gruppe Interessierter durch das neue Gebäude.

Ein Gebäude, das „mitwächst

Auffällig sind die umlaufenden Laubengänge. Im Sommer ranken dort Wilder Wein und Schlangengurken, die das Gebäude natürlich beschatten. Die Gänge sind mit stabilen Netzen gesichert, sodass niemand abstürzen kann.

Derzeit besuchen 60 Kinder die Schule im Aufbau: drei erste Klassen sowie ein DaZ-Zentrum. Fünf Lehrkräfte, ein Schulsozialarbeiter und mehrere Klassenbegleiter stemmen gemeinsam den offenen Ganztag. Perspektivisch soll die Schule auf 340 Kinder anwachsen.

Bis 17 Uhr können die Kinder in der Nachmittagsbetreuung bleiben, die Hausaufgabenhilfe, freies Spiel und verschiedene Kurse anbietet. Das Mittagessen gibt es in der Mensa – liebevoll „Kombüse“ genannt.

Der „Heimathafen“ jeder Etage

Die Ausstattung ist durchdacht und wirkt warm und einladend: viel Holz, Stäbchenparkett, Holzgeländer. Laut Janowitz fühlen sich die Kinder sehr wohl und gehen entsprechend sorgsam mit ihrer Umgebung um. Tatsächlich finden sich kaum Gebrauchsspuren.

Jeder Jahrgang bewohnt eine eigene Etage und zieht im nächsten Schuljahr eine Ebene höher – dort warten dann Möbel, die zur Körpergröße der Kinder passen. Vor den Klassenräumen erstreckt sich jeweils ein großer gemeinsamer Freizeitbereich, der von allen Lehrkräften genutzt wird. Die Etagen werden deshalb als „Heimathafen“ bezeichnet.

Schulleiter Janowitz sagt: „Die Kinder sollen sich wohlfühlen. Manche Kinder sind von 7 bis 17 Uhr hier. Sie leben hauptsächlich hier in dieser Schule.„

Compartmentschule nach dem Churer Modell

Die Klassenräume sind nach dem Churer Modell gestaltet: ein Teppich mit Stuhlkreis, verschiedene Sitzmöglichkeiten, kleine Tische, eine Tribüne. Klassischer Frontalunterricht ist hier kaum möglich. Nach einer gemeinsamen Phase im Stuhlkreis suchen sich die Kinder selbstständig einen Arbeitsplatz – im Raum, im Freizeitbereich, auf der Fensterbank oder in einem gedämmten Rückzugsmodul.

Janowitz betont, dass sich die Kinder so besser konzentrieren können, weil sie sich mehr bewegen und ihren Lernort selbst wählen. Gleichzeitig brauche dieses Modell deutlich mehr Platz als herkömmliche Klassenräume bieten.

Durch die Doppelnutzung – die Klassen nutzen den Freizeitbereich, die Nachmittagsbetreuung nutzt die Klassenräume – entsteht insgesamt viel Raum, allerdings mit der Voraussetzung, dass alle Räume sehr ordentlich gehalten werden.

Ein kleiner Wermutstropfen

Der Schulhof auf dem Dach der Sporthalle ist zwar eine clevere Lösung, aber er hat Grenzen: Bei Schnee war er wochenlang nicht nutzbar, und für 340 Kinder wird er später zu klein sein. „Da müssen wir uns etwas Kreatives einfallen lassen“, sagt Janowitz.

Gemeinsamer Start in den Tag

Vor der ersten Stunde treffen sich alle Kinder in der Sporthalle zum gemeinsamen Singen. Diese Viertelstunde sorgt laut Janowitz dafür, dass die Schülerinnen und Schüler besonders pünktlich sind – wer zu spät kommt, muss im Eingangsbereich warten, bis der Unterricht beginnt.

Ein Blick über den Hafen

Spektakulär ist der Ausblick: Vom Gebäude aus sieht man direkt auf den Germaniahafen und derzeit sogar auf das Riesenrad am Bahnhof. Wahrscheinlich wird die Schule künftig „Grundschule am Hafen“ heißen – der Name befindet sich gerade in der Abstimmung.

Weiterlesen?

Neue Grundschule für Gaarden

Wie das Raumkonzept Churermodell Wände im Kopf verschiebt

Teilen:

Kommentar abschicken