Sozialer Wohnungsbau in einer kritischen Phase
Der soziale Wohnungsbau in Kiel steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Im jüngsten Bauausschuss wurde ein Antrag der Verwaltung mehrheitlich angenommen, der es Investoren künftig erleichtern würde, ganz ohne Sozialwohnungen zu bauen. Dieser Antrag steht zur finalen Entscheidung auf der Tagesordnung der kommenden Ratsversammlung am Donnerstag.
Worum geht es im Antrag?
Der Antrag sieht vor, dass Investoren nur noch zweimal einen Förderantrag beim Land Schleswig-Holstein stellen müssen. Wird dieser Antrag aufgrund fehlender Landesmittel zweimal abgelehnt, entfällt die städtische Verpflichtung, 30 % geförderten Wohnraum zu errichten – ersatzlos.
Die Verwaltung begründet diesen Schritt mit der anhaltenden Fördermittelknappheit. Das Innenministerium habe bereits für 2026 signalisiert, dass die Nachfrage nach Fördermitteln die verfügbaren Gelder deutlich übersteigt. Auch für die kommenden Jahre sei keine Entspannung zu erwarten.
Was würde sich ändern?
Bis jetzt gab es ein 3-Stufen-Verfahren. Grundsätzlich müssen bei größeren Bauvorhaben 30 Prozent geförderter Wohnraum bereitgestellt werden. Lehnt das Land SH eine soziale Wohnraumförderung zweimal ab, reduziert sich die Quote auf 15 Prozent. Erst wenn es im vierten Jahr wieder keine Förderung gab, konnte der Bauherr ohne Sozialwohnungen bauen. Die Stufe mit den 15 Prozent soll entfallen. Wenn der Investor also zweimal keine Fördermittel erhält, muss er überhaupt keine Sozialwohnungen bereitstellen.
Schon jetzt verzögern sich zwei große Projekte – Torfmoorkamp und Meimersdorfer Höhen – weil Fördermittel fehlen.
Im Bauausschuss stimmten SPD, AfD und Grüne ( mit Ausnahme von Arne Langniß) für den Antrag. SSW und die LINKE/die PARTEI stimten dagegen. Die CDU enthielt sich.
Drohender Verlust von Sozialwohnungen
Kiel verfügt derzeit über rund 6.000 Sozialwohnungen. Doch bis 2030 fallen etwa 2.500 Wohnungen aus der Bindung und werden dem freien Markt zugeschlagen. Allein 2026 betrifft das rund 800 Wohnungen. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum steigt damit weiter.
Warum sozialer Wohnungsbau für Investoren attraktiv sein kann
Für Investoren bietet der geförderte Wohnungsbau durchaus Vorteile:
- Hohe Nachfrage und Vermietungssicherheit
Sozialwohnungen sind nahezu immer vermietet, Leerstand ist selten. - Stabile, kalkulierbare Renditen
Besonders für institutionelle Anleger sind langfristige, risikoarme Ausschüttungen attraktiv. - Staatliche Förderung
Zinsgünstige Darlehen und weitere Programme verbessern die Wirtschaftlichkeit. - Geringere Mieterfluktuation
Sozialwohnungen werden im Schnitt länger bewohnt.
Der größte Nachteil bleibt die geringere Rendite. In den letzten Jahren sind Bau- und Finanzierungskosten jedoch stark gestiegen – so sehr, dass sich für viele Investoren nur noch hochpreisige Wohnungen rechnen, für die es weniger Nachfrage gibt.
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