Beitrag von TKKG: Bei bestem Wetter mit Sonnenschein und warmen Temperaturen ging es am Samstag in Kiel mit dem Bündnis „Vorfahrt für den Klimagürtel“, dem Wagenplatz Schlagloch und einigen anderen Gruppen auf die Straße für eine sozial-ökologische Mobilitätswende – an den dezentralen Aktionstagen, die bundesweit stattfinden.
Mehrere hundert Menschen waren gekommen, auf Fahrrädern, Skateboards oder Rollschuhen, sogar die Samba-Gruppe Rhythms of Resistance fuhr auf Lastenrädern mit und sorgte für musikalische Begleitung.
Zu den Reden wollen wir gar nicht viel schreiben, ihr findet sie einfach hier im Volltext (pdf, werden teilweise noch nächste Tage ergänzt):
Die rund 8km Tour ging unter anderem über die B404, die immer noch zur Autobahn ausgebaut werden soll, obwohl weiterer Autobahnbau jedem Ziel von einer Verkehrswende und dem Ausbau von Schienen entgegen steht – „Geld kann nur einmal ausgegeben werden“ drückte es eine Rednerin aus. Über die von Autos geleerten Straßen zu fahren genossen sowohl Fahrradfahrer*innen als auch Skater*innen – endlich mal genug Platz.
Zum Abschluss ging es noch zum bedrohten Wagenplatz Schlagloch, auf dem Menschen seit Jahren eine Lösung suchen mit wenig Ressourcenverbrauch nah zur Natur zu leben – obwohl die Stadt ihnen beständig Steine in den Weg legt.
Die A21-Anbindung schickt sich an, ein größeres Thema zu werden. Diesen Eindruck konnte man zumindest auf der ersten Infoveranstaltung im Waldhaus gewinnen, zu der mehr Leute kamen, als im Raum Platz fanden. Vorausgegangen war eine Einladung per Flyer in den angrenzenden Wohngebieten. “Wir werden auf jeden Fall noch mal so eine Veranstaltung machen. Mit so einem großen Ansturm hatten wir nicht gerechnet”, sagte ein Sprecher vom Bündnis Vorfahrt für den Klimagürtel.
Warum ist die A21-Anbindung Thema?
Der Ausbau der A21 schreitet bekanntlich voran. Der Abschnitt Kleinbarkau bis Wellsee wird zur Zeit geplant. Ab Wellsee gibt es -soweit dem Bündnis bekannt – noch keine konkrete Planung. Zur Zeit werden anscheinend die ersten Kartierungen ausgeschrieben. Vorgesehen ist der Ausbau der A21 bis zum Barkauer Kreuz, zusätzlich die Südspange (eine Schnellstraße nach Osten) und Nebenstraßen für langsamere Fahrzeuge wie Busse oder Mopeds. Diese Vorhaben würden auch ein Autobahnkreuz notwendig machen. Das Stück Straße zwischen Autobahnkreuz und Barkauer Kreuz wäre wie eine Autobahn. Der Sprecher betonte, dass jetzt der Zeitpunkt richtig ist, um Druck gegen diese Straßenbaupläne aufzubauen. Denn wenn so ein Projekt erst einmal in der Planung ist, lässt es sich nicht mehr stoppen – so seine Erfahrung als Aktiver im NABU Kiel.
Die Karte zeigt, wie der Bund plant, die A21 anzubinden.
Die Auswirkungen dieser
Straßenbauvorhaben für die Innenstadt wären: mehr Lärm , mehr
Schadstoffe, mehr Lärmschutzmauern, weniger Frischluft. Denn die
Variantenprüfung der Stadt Kiel zeigte deutlich, dass das
Verkehrsvolumen durch bzw trotz Autobahn und Südspange deutlich
ansteigen würde.
Die Niederung vom Eidertal über Meimersdorfer Moor zur Förde ist eine wichtige Frischluftschneise für Kiel. Sie führt frische und kühle Luft in die Innenstadt. Der Luftaustausch wird gestört, wenn eine Straße quert, das ist wie die Heißluftbarriere am Eingang von Kaufhäusern. Wir hatten eine Reihe von heißen Sommern in Kiel, umso wichtiger ist die Kühlung durch diese Frischluftschneise.
Die Planung von Straßen muss zwar den Artenschutz berücksichtigen, aber das Vorkommen von geschützten Tieren würde so ein Projekt nie verhindern. Die Tiere würden dann umgesiedelt, soweit es möglich ist.
Nicht nur für die Tierwelt wäre der Verlust von etwa 300 Kleingärten bitter. Auch für die Kieler*innen sind der Eiderwanderweg , die Kleingärten und das Vieburger Gehölz wichtige Orte der Naherholung. Wer möchte schon auf dem Eiderwanderweg wandern, wenn dieser entlang einer Schnellstraße verläuft.
Das Bündnis Vorfahrt für den
Klimagürtel besteht aus 13 Initiativen, darunter große Verbände
wie BUND, NABU und Greenpeace, aber auch jede Menge kleiner lokaler
Initiativen. Wichtig sind auch die jungen Leute von Fridays for
Future. Das Bündnis hat das Ziel, den Grüngürtel zu schützen.
Dieser Grüngürtel ist durch Bauvorhaben schon an vielen Stellen
durchlöchert. Die A21-Anbindung wäre ein weiterer Verlust. Das
Bündnis fordert deshalb, die Autobahn bei Wellsee enden zu lassen.
Viele Kieler Beschlüsse stehen übrigens quer zur A21-Anbindung: Climate Emergency (2019), Blue Port, Masterplan Klimaschutz, Kleingartenentwicklungskonzept. “Eigentlich dürfte die Stadt den Plänen nicht zustimmen, wenn sie ihre eigenen Konzepte ernst nimmt”, fasste ein Aktiver im Bündnis die Lage zusammen. Besonders pikant: Laut Masterplan Klimaschutz soll der Autoverkehr um 40 Prozent bis 2035 sinken. Durch die A21-Anbindung würde der Verkehr aber steigen.
Fragen zur A21 in der Diskussionsrunde
In der auf den Vortrag folgenden
Diskussion kamen u.a. diese Themenkomplexe zur Sprache:
Ausbau der Nebenstraßen
Eingriff ins Vieburger Gehölz
Was sagen die Ortsbeiräte?
Gibt es eine Stellungnahme von OB
Ulf Kämpfer? (Antwort: nein)
Wo kommen die Zahlen zur
Verkehrsentwicklung her?
Wie können die Anwohner*innen
aktiv werden.
Es meldeten sich übrigens keine
Befürworter dieser Straßenbaupläne zu Worte!
“Da stehen doch Häuser!”
Bei den Fragen zu den Nebenstraßen ging es um den exakten Verlauf , der allerdings nur in groben Zügen bekannt ist. Niklas Hielscher vom Bündnis sagte, egal wie die Nebenstraßen und Fahrradwege genau verlaufen werden, wird das Leben für den Fahrrad- und Busverkehr umständlicher werden. Besonders erbost war ein Anwohner der Flintbeker Straße; diese Straße befindet sich am Rand einer Endmoräne. Die Häuser liegen auf einer steilen Anhöhe, sodass kein Parken auf den Grundstücken möglich ist. Deshalb dürfen die Anwohner bisher auf der Straße parken. Das wäre aber nicht mehr möglich, wenn der Busverkehr dort durchgeführt würde. Außerdem würde diese beschauliche Straße im Kieler Hinterland insgesamt wesentlich stärker frequentiert werden, zumal der Ausgang Hofteichstraße zur A21 (jetzt B404) gesperrt würde.
Sankt Florians Prinzip?
Die Ortsbeiräte der betroffenen
Quartiere positionieren sich nach dem Sankt Florians Prinzip und
sehen nicht das große Ganze sondern ihre spezifische Situation. Das
Bündnis geht auch aus diesem Grund nicht auf die Diskussion um
alternative Routen ein. Das Hauptziel ist, die A21-Anbindung zu
verhindern und das Verkehrsvolumen zu verringern. Ob es dann Sinn
macht, beispielsweise die Stadtbahn bis in den Süden zu führen,
oder die Brücke über die Bahntrasse vierspurig auszubauen, das sind
Details, auf die das Bündnis sich nicht festlegen möchte.
Die Variantenprüfung
Die Zahlen zu den Verkehrsprognosen, Zeichnungen und andere Details stammen weitgehend aus der von der Verwaltung in Auftrag gegebenen Variantenprüfung. Vor allem bei den Prognosen zur Verkehrszunahme ging ein Raunen durch den Raum. Es zeigt sich: die A21 und die Südspange entlasten nicht. “Wer Straßen sät, erntet Autos”, dieser etwas abgedroschene Satz stimme immer noch. Keine Entlastungsstraße hätte jemals Entlastung gebracht.
Wie können Kieler*innen sich
einbringen?
Da sind einmal die regelmäßigen Treffen des Bündnis. Nächstes Treffen am Dienstag, 17. März um 18 Uhr in der Alten Mu (Raum wird ausgeschildert). Termine können immer auf der Website eingesehen werden.
Eigene Aktionen wie Straßenfeste oder
Stände auf der Holtenauer Straße wären eine gute Idee.
Die Alte Meierei bietet schon am Montag, 9. März um 15 Uhr eine Aktion zum Gestalten von Bannern und Plakaten an. Gerne alte Bettlaken oder Tischtücher mitbringen!
Es bleibt weiterhin wichtig, an die Fraktionen zu schreiben, entweder mit eigenen Worte oder mit den Postkarten, die bei dem Treffen auslagen.
Die Studie zu den Varianten der A21: https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/verkehrswege/projekte/_dokumente_fuehrung_a21/a21_kiel_erlaeuterungsbericht.pdf
Im Ortsbeirat Hassee/Vieburg am 18. Februar steht die Anbindung der A21 auf der Tagesordnung. Am 7. März laden die Aktiven von Bündnis “Vorfahrt für den Klimagürtel” in das „Waldhaus“ zu einer Informationsveranstaltung ein. Es geht in beiden Veranstaltungen um den Bau der Autobahn A21 bis zum Barkauer Kreuz und um die Südspange, eine Schnellstraße durch den historischen Grüngürtel zur B76.
A21 ist Thema im Ortsbeirat
Hassee/Vieburg
Alarmiert durch Anrufe von besorgten
Bürger*innen, die wissen wollten, was das mit dem Straßenbau in
ihrem Umfeld auf sich hat, setzte der Ortsbeirat Hassee/Vieburg das
Thema auf die Tagesordnung. Vertreter des Kieler Tiefbauamts und des
Umweltschutzamtes werden über den Sachstand zur A2 referieren.
Vertreter*innen des Bündnis “Vorfahrt für den Klimagürtel”
werden ebenfalls teilnehmen. In Ortsbeiratssitzungen haben die
Ortsbeirät*innen das erste Rederecht, danach können Besucher*innen
Fragen stellen und sich an der Diskussion beteiligen.
Wann und wo? Dienstag, 18. Februar,
19:30, Stiftung Drachensee, Hamburger Chaussee 221.
Informationsveranstaltung im “Waldhaus”
Das Bündnis “Vorfahrt für den
Klimagürtel” möchte die Straßenbaupläne im Kieler Süden
stoppen. Diese Pläne sind zwar eine Sache des Bundes, aber die
Aktiven haben die Hoffnung, dass die Pläne noch gestoppt werden
könnten, wenn sich die Kieler Lokalpolitik beherzt dagegen stemmt.
Darüber informieren sie am 7. März im Waldhaus. Das Bündnis wird
unterstüzt von insgesamt 12 Initiativen , darunter Bürgerinitiative
Klimanotstand Kiel, Fridays for Future Kiel, NABU, BUND, Greenpeace,
Extinction Rebellion Kiel und VCD . Also eine breite Basis mit viel
Fachwissen und Engagement für die Natur. Speziell für Kiels
Naherholungsraum setzen sich die Initiativen Projekt Prüner Park und
Waldhaus ein. Schon die Postkartenaktion diese Bündnisses hat Wellen
geschlagen, seit einiger Zeit flattern nun auch Flyer in die
Briefkästen im Kieler Süden. Auf der Informationsveranstaltung
könnt ihr mehr über die Straßenbaupläne erfahren und euch auch
eventuell dem Widerstand anschließen.
Wann und wo? Samstag, 7. März , 14 Uhr, “Waldhaus”, Hornheimer Weg 98. www.klimaguertel-kiel.de , Facebook: klimaguertel
Das Bündnis “Vorfahrt für den
Klimagürtel” konnte heute wieder einen ganzen Packen Postkarten an
die Fraktionen im Rathaus abgeben, genau gesagt waren es 326. Davon
gingen 81 an die CDU, 78 an die Grünen, 84 an die FDP und 83 an die
SPD. Bei der erste Postkartenübergabe waren es 277. Dazu kommt
natürlich noch eine unbekannte Menge von Postkarten, die von
Bürger*innen selber abgegeben oder geschickt wurden. Außerdem
erhalten die Fraktionen auch noch Emails und Briefe zu diesem Thema,
wie wir heute erfuhren.
Viele Kieler*innen, selbst wenn sie im Kieler Süden wohnen, wissen gar nicht, was da auf sie zukommt, wenn die Kieler Politik sich nicht beherzt gegen die vom Bund geplante Anbindung der A21 wendet. Nach derzeitiger Planung würde die A21 bis zum Barkauer Kreuz geführt werden! Dazu eine Nebenstraße über den Eider Wanderweg, eine Schnellstraße (Südspange) durch ein Kieler Kleingartengebiet, ein Autobahnkreuz etwa auf der Höhe der Bushaltestelle Karlsburg. 300 Kleingärten würden zerstört, das Autobahnkreuz würde das Viehburger Gehölz tangieren.
Das war eine Erfahrung beim
Unterschriften Sammeln: Fast alle, die von der Zerstörung der 300
Kleingärten hören, unterschreiben sofort! Auch das Vieburger Gehölz
und der Eiderwanderweg scheinen Themen zu sein, die den Kieler*innen
sehr am Herzen liegen.
“In Zeiten des Klimawandels und steigender Temperaturen ist der Kieler Grüngürtel wichtiger denn je als “Klimagürtel” ,der für saubere Luft und im Sommer für erträgliche Temperaturen sorgt”, steht auf dem Flyer, den das Bündnis aus zwölf Initiativen verteilt. Das Thema betrifft also nicht nur die Anwohner*innen sondern alle Kieler*innen.
Zwei Journalisten von den Kieler
Nachrichten beobachteten die Aktion und werden nächste Woche darüber
berichten.
Da die Poststelle schon geschlossen
war, wurden die Postkarten dann teilweise direkt bei den
Fraktionsbüros abgegeben, der Rest beim Pförtner. So konnten noch
Gespräche vor Ort geführt werden.
Zum Vormerken: In Planung ist eine Infoveranstaltung am 7. März um 14 Uhr im Waldhaus (Hornheimer Weg 98).
Interessierte können auch gerne zu den monatlichen Treffen kommen, Termine auf der Website.
Postkarten können bei Erna Lange im Vereinsbüro der Alten Mu abgeholt werden.
Pressemitteilung: „Ein Bündnis aus 11 verschiedenen Initiativen, Verbänden und Kieler Bürger*innen fordern die Ratsfraktionsparteien auf, die Straßenbaupläne im Kieler Süden zu stoppen!
Am Montag, 02.12.2019 um 14 Uhr wurden hunderte Protestpostkarten der Fraktionen CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und der FDP, die bereits innerhalb von drei Stunden von Bürger*innen aus Kiel und dem Umland unterschrieben wurden, in deren Briefkästen gesteckt.
Hintergrund ist der voranschreitende Ausbau der B404 zur A21 Richtung Kiel. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 sind der Autobahnbau bis zum Barkauer Kreuz in Kiel sowie die sogenannte Südspange als „vordringlicher Bedarf“ festgelegt. Der Bau der Südspange würde mitten durch den historischen Grüngürtel bis zur B76 führen.
Ein wertvoller Natur- und Erholungsraum würde zerstört werden: Das Gebiet im Bereich Meimersdorfer Moor, Vieburger Gehölz und der über 300 Kleingärten ist Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten sowie wichtiger Naherholungsraum für die Kieler Bevölkerung. Für dessen Erhalt kämpfen diese 11 Initiativen zusammen mit den Kieler Bürger*innen, denn seit Mitte Mai 2019 haben die Ratsfraktionsparteien den Klimanotstand erklärt und sich dazu entschlossen, alle Beschlüsse zugunsten des Klimas, der Natur und der Umwelt zu entscheiden.
Das Bündnis Vorfahrt für den Klimagürtel wird unterstützt von Bürgerinitiative Klimanotstand, bielenbergkoppel.de, BUND, Cradle to Cradle Regionalgruppe KIEL, Fridays for Future Kiel, NABU Kiel, Greenpeace Kiel, VCD Mobilität für Menschen, Projekt Prüner Park, extinction rebellion Kiel“