Zauberhaftes Café Fresco

In der Möllingstraße Ecke Exerzierplatz lädt das Restaurant und Gartencafé Fresco zum Verweilen ein. Die Innenräume sind mit alten Möbeln gemütlich eingerichtet. Im Hof befindet sich eine grüne Oase, wobei die Tische überdacht sind, sodass du auch während eines Sommerregens im Trockenen sitzt. Auch hier zeigt sich das Deko-Talent des Besitzers: Mit alten Möbeln und vielen Topfpflanzen entstand hier ein Wohnzimmer im Grünen.

Bevor der Chef dazu kam, sprach ich mit dem Mitarbeiter Herrn Prime. Er sagt, hier findet keine Systemgastronomie statt, es wird richtig gekocht. Vom Dip bis zum Brötchen ist alles hand-gemacht. Sogar die Tees werden selber gemischt und eingetütet.

Das Frühstücks/ Brunch- Büffet sieht köstlich aus, mit Nudelsalat, Bulgursalat, rote Beete, Joghurt-Minze-Dip, Curry-Feigen-Dip, Auberginen-Knoblauch-Dip, selbst-gebackenem Brot und viele andere Leckereien, auch vegane.

Die Speisekarte ist klein aber vielfältig. Die Preise fand ich angemessen. Das Frühstücksbuffet kostet 22,50 Euro, am Wochenende 28,50. Hirschgulasch mit Tagliatelle und Preiselbeeren für 22 Euro. Oder eine indische Suppe für 7,50. Einen Becher Kaffee gibt es schon für 2 Euro.

Fresco, Möllingstr. 3, Kiel

Die Preiselbeertorte, die ich probierte, bekommt die Note 1 plus mit Sternchen!

Gekocht wird überwiegend mit regionalen, saisonalen Zutaten, zum Teil vom Bauernhof des Chefs Manfredo Simonet. Sein nächstes Projekt ist ein mobiler Hühnerstall, um sein Lokal mit eigenen Eiern zu beliefern.

Frescos historische Fassade

Als Herr Simonet die Fassade renovierte, kamen die Aufschriften von einem früheren Lokal zum Vorschein. „Plantagenkaffee“ und „Kolonialwaren“ ist da zu lesen. Für die einen ist es ein pittoreskes Fotomotiv, für andere ein Ärgernis. Herr Simonet bestätigt, dass sich einige Gäste darüber beschwert haben, dass der Verweis auf das leidvolle Unterdrückungssystem Kolonialismus hier als Deko-Element eingesetzt wird. Herr Simonet kann die Aufregung zwar nicht nachvollziehen, hat aber gleichwohl vor, die historischen Aufschriften zu überpinseln, wenn er im Herbst die Fassade renoviert. Auch das wird nicht allen recht sein, weil damit wiederum ein Stück Kieler Geschichte aus der Sichtbarkeit verschwindet.

Restaurant und Gartencafé Fresco

Manfredo Simonet ist ein vielseitiger Unternehmer: Bauleiter, Landwirt und Gastronom. Er mag das Authentische, das ist das Kennzeichen von Fresco: alles ist frisch und handgemacht. Ein Umbau mit Erweiterung um einen Hofladen ist in Planung. Hier sollen Produkte aus der Region angeboten werden.

Seit Kurzem ist das Lokal bis 21. 30 geöffnet, nachdem es jahrelang um 18 Uhr schloss. Der Schwerpunkt liegt auf Events, wie Grillabende oder Hochzeiten, für die das Gartencafé gebucht werden kann.

Fresco ist ein zauberhaftes, originelles Lokal, eine Bereicherung der Kieler Gastroszene.

Mehr Info auf der Homepage: http://fresco-kiel.de/

33 Jahre Widerhaken

Der Widerhaken, ein Naturkostmarkt für biologische Nahrungsmittel und Kosmetik, existiert seit 33 Jahren in der Kieler Innenstadt. Ein gutes Thema für diesen Blog, dachte ich. Zu meiner Überraschung bedurfte es einiger Überredungskunst meinerseits, bevor der Geschäftsführer bereit war, mit mir zu sprechen. Denn diese Institution hat vor 25 Jahren die Entscheidung getroffen, keine Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Daran soll auch im Jubiläumsjahr nicht gerüttelt werden, zumal es einen Aufnahmestopp gibt, und man niemanden enttäuschen möchte. Mein Argument für ein Gespräch überzeugte dann aber doch: In Kiel floriert ein ganzes Netzwerk an größeren und kleineren alternativen Initiativen, die zum Teil gar nicht auf sich aufmerksam machen. Sie sind aber ein nicht unwichtiger Teil von Kiel und darüber sollte auch berichtet werden.

Der Naturkostmarkt liegt in einem Innenhof. Auf drei Räumen wird ein Komplett-Angebot an ökologischen Lebensmitteln und Kosmetik bereitgestellt. Rote Linsen, Milchreis, Naturreis und viele andere Trockenwaren sogar unverpackt. Eine Apparatur mit Tonnen und angehängten Schaufeln lädt zum Selber-Abpacken ein.

Regionale Naturkost für einen begrenzten Kundenstamm

Der Widerhaken ist ein reiner Mitgliederladen mit zur Zeit circa 700 Mitgliedern. Der Co-Eigentümer und Geschäftsführer Christian Eilers (64) versucht punktgenau einzukaufen, und das gelingt bei einem festen Kundenstamm besser als in einem Laden mit Laufkundschaft. Es sagt über seinen Alltag: „Es ist immer noch anarchisch, jeder Tag ist anders, aber doch ganz gut planbar.“

Der Widerhaken bezieht die Lebensmittel zum Teil direkt von Erzeugern aus der Region. „Zum Beispiel Hof Seekamp in Löptin, die bauen für uns Kartoffeln an.“

Eine Ausweitung ist nicht angedacht, das geben die Räumlichkeiten nicht her. In der Corona-Zeit wurde sogar das Lager zum Verkaufsraum umgestaltet, seitdem ist Lagerhaltung eigentlich nicht mehr möglich. Die Begrenzung der Mitgliederzahl ist auch deshalb geboten, weil das Vertrauen besonders wichtig ist, denn hier wiegen die Leute ihre Ware selber ab.

Der Mitgliedsbeitrag von zur Zeit 16 Euro im Monat für jeden Erwachsenen deckt die Fixkosten wie etwa Miete und Versicherung. Die Waren können deshalb vergleichsweise günstig kalkuliert werden . Der Mitgliedsbeitrag ist zudem ein Anreiz möglichst viel hier zu kaufen, damit es sich rentiert.

Ich beobachte einen Mann mit Kind, der Großeinkauf macht, und komme mit ihm ins Gespräch. Er kauft alles hier, und beginnt, mir vorzurechnen, warum sich das lohnt. Eine Großpackung Müsli kostet zwei Euro weniger als in einem bekannten Bioladen, die Erdbeeren kosten nur 4,50 Euro für 500 Gramm, und so weiter. Und es schmeckt, sagt der Sohn.

Widerhaken: die Historie

Angefangen hat alles im Dezember 1989. Nach einem Jahr des Aufbaus war der Laden existenzfähig. Damals fiel schon der Entschluss, den Mitgliederstand bei etwa 700 einpendeln zu lassen.

Die Corona-Pandemie war eine anstrengende Zeit, berichtet Christian, der seit der Gründung dabei ist. Er empfand diese Periode als stärkste Zensur, was Ideologie betraf, weil es gravierende Unterschiede in der Einschätzung der Pandemie gab. Einige Kunden waren Impfskeptiker, wollten keine Masken tragen. Es kam zu Szenen mit Geschrei im Laden.

Die derzeitige Inflation und die Lieferketten-Engpässe sieht er noch relativ gelassen.

Für Christian geht es langsam in Richtung Rente. Er sagt, er hat sich keine goldene Nase verdient, aber es war eine erfüllende Tätigkeit, und es besteht Hoffnung, dass das Geschäft in der Familie bleibt!

Von der Optik her strahlt der Widerhaken den Charme der Hippie-Bewegung aus, liebenswert anarchisch und mit vielen lustigen Bastel-Einfällen. Besonders gefiel mir dieses Sieb am Türknauf in Form eines Corona-Virus, daneben die Flaschen am Schrubber zum Hände-Desinfizieren!

Einkaufsgemeinschaft Widerhaken

Auf die nächsten 33 Jahre!

Adresse und Zeitpunkt der internen Jubiläumsfeier werden an dieser Stelle nicht bekannt gegeben, aus oben genannten Gründen.

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